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Anlagestrategien von Investmentfonds in Emerging Markets
4.1. Schlußbemerkung
Wie in den bisherigen Ausführungen verdeutlicht wurde, wird die Performance eines Fonds hauptsächlich von der Nutzung von
Informationsvorteilen an großteils ineffizienten Kapitalmärkten und von der fondsspezifischen Risikobereitschaft bestimmt. Somit
sind die Performanceunterschiede auch auf die Ausprägung dieser beiden Faktoren zurückzuführen.
Wie ebenfalls in den vorherigen Kapiteln erläutert wurde, bestehen z.T. signifikante Unterschiede in den wirtschaftlichen
Entwicklungsstadien der Länder im Transformationsprozeß. Während einige „entwickeltere“ Länder wie beispielsweise Ungarn,
Polen, Tschechien und die Slowakei schon deutliche Fortschritte auf dem Weg zur Einrichtung funktionierender
Marktwirtschaften und Kapitalmärkte aufweisen, so besteht in „unterentwickelteren“ Ländern wie z.B. Slowenien, Kroatien,
dem Baltikum, der Ukraine, Bulgarien und Rumänien noch großer Nachholbedarf. Dementsprechend ist die „richtige“
Abstimmung der Anlagestrategie auf die einzelnen Länder in bezug auf ihre Entwicklungsstadien von entscheidender Bedeutung.
Informationsvorteile lassen sich in der Regel nur an „entwickelteren“ Märkten nutzen, da diese schon eine ausreichende Anzahl
von börsennotierten Unternehmen aufweisen. In bezug auf diese Länder zeichnen sich die Fonds mit den größten
Wertsteigerungsraten dadurch aus, daß sie sich Informationsvorteile in höherem Maße zu Nutzen machen, um unterbewertete
Unternehmen mit Wachstumspotential zu identifizieren, bevor es andere institutionelle Anleger oder der Markt im allgemeinen
vermögen, und profitieren deshalb von den Kurssteigerungsraten der Aktien, die sich ihrem „inneren“ Wert angleichen. Diese
Informationsvorteile verschaffen sich die erfolgreichsten Fonds dadurch, daß Fondsmanager mehr Zeit „Vor-Ort“ verbringen
und somit in der Einschätzung der Wachstumspotentiale der Unternehmen anhand von Produkten, Management und
Unternehmenspolitik fundierter entscheiden können, oder dadurch, daß sie über bessere Researchkapazitäten, in Form von
umfangreicheren Datenbanken oder qualifizierteren Researchmitarbeitern, verfügen. Anders ausgedrückt profitieren erfolgreiche
Fonds auch von Skalen- und Verbundvorteilen , vor allem dadurch, daß die Fondsgesellschaften zum einen Filialen oder
Tochtergesellschaften in den MOE-Länder unterhalten, über die sie Informationen generieren können, und zum anderen eine
„kritische“ Größe besitzen, um diese Informationen umzusetzen.
Erfolgreiche Fonds weisen darüber hinaus eine höhere Risikobereitschaft in bezug auf Investitionen in „weniger entwickelte“
Märkte und in „Nebenwerte“ auf. Zumindest im letzten Jahr profitierten Fonds, die in „riskantere“ Länder (z.B. Rußland) oder
in „spekulativere“ Anlagetitel (z.B. baltische Nebenwerte) investierten, von ihre Risikobereitschaft.
Diese erhöhte Risikobereitschaft resultiert insbesondere bei den Fonds mit der besten Performance in dem Nebeneffekt, daß
dadurch das Portfolio breiter - in Hinsicht auf Länder und Sektoren - diversifiziert wird. Dies läßt für die Zukunft unter
Berücksichtigung der Aussagen der Portfoliotheorie, eine geringere Schwankung der Portfolio-Erträge, und somit des Risikos,
erwarten.
Aufgrund der weit überdurchschnittlichen Performance-Werte fließen allen Investmentfonds momentan große Geldmittelströme
zu. Beispielsweise verzeichnete der Mercury Eastern Europe Fund in den ersten drei Wochen dieses Jahres einen Anstieg des
Fondsvermögens um 100 Mio. DM. Andere Fondsgesellschaften wie die Spar Invest Austria oder Die erste österreichische
Spar-Casse Bank bezifferten ihre Mittelzuflüsse auf 100 bis 150 Prozent des Fondsvermögens zum 31.12.1996. Unter
Berücksichtigung der noch sehr engen Märkte in Mittel- und Osteuropa werden allein diese neuen zu investierenden Mittel die
Aktienkurse zumindest kurz- bis mittelfristig ansteigen lassen.
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