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9. Hilfsmittel zur Fondsselektion

 

9.1 Vergleichsmethoden

Durch Vergleichsmethoden ist es möglich gute Fonds von schlechten Fonds zu differenzieren. Überwiegend beziehen sich solche Methoden auf die Entwicklung in der Vergangenheit, da für das Fondsmanagement diese Verfahren die sachlich korrektesten Orientierungshilfen darstellen.

9.1.1 Performancevergleich

Der Performancevergleich zeigt den Wertzuwachs einer Anlage in der Vergangenheit auf. Folgende Formel wird zur Berechnung der Performance verwendet:

Performance = ((Endkapital - Anfangskapital) / Anfangskapital) * 100

Die gängigste Performancemethode ist heutzutage die sogenannte "BVI-Methode", die ein sehr einfaches und exaktes Verfahren zur Berechnung der zeitgewichteten Wertentwicklung bietet. Hierbei werden die Anteilswerte der Fonds zum Beginn und zum Ende des Berechnungszeitraums unter Berücksichtigung der Wiederanlage der ausgeschütteten Erträge verglichen. Die während des Berechnungszeitraums erfolgten Ausschüttungen werden am Tag der Ausschüttung stets als zum Anteilwert wiederangelegt betrachtet, wie es auch beim Investmentfonds normalerweise der Fall ist. Dadurch wird auch erst ein Vergleich von ausschüttenden und thesaurierenden Fonds möglich. Desweiteren werden die erhobene KÖSt auf die Dividendenerträge inländischer Investmentfonds, sowie der Betrag der Kapitalertragsteuer und des Solidaritätszuschlags mit in die Methode einbezogen. Auch sollte beim Vergleich von verschiedenen Fonds darauf geachtet werden, daß es sich um etwa gleiche Anlageobjekte und -strategien über einen längeren Zeitraum hinweg handelt. Die anzusetzende Formel ist folgende:

Anlageerfolg nach Ausgabeaufschlag = (W + 100 / (1 + (A/100)))* 100 %

wobei:

W: die ausgewiesene Wertentwicklung darstellt und

A: den individuell gezahlten Ausgabeaufschlag

Die "BVI-Methode" entspricht weitgehend auch dem von der Europäischen Investmentvereinigung herausgegebenen Standard. Jedoch sollte man stets berücksichtigen, daß der individuelle Erfolg oft darüber hinaus vom persönlichen Einkommensteuersatz abhängig ist.

Ein weiteres gutes Vergleichsinstrument zwischen verschieden Fonds ist die Kumulierung von Performancezahlen. Jedoch sollte hier Vorsicht geboten sein, da kumulierte Renditen nicht gleich den Renditen der einzelnen Jahre entsprechen, da der Zinseszinseffekt miteinwirkt.

9.1.2 Grafische Vergleiche von Fonds

Grafische Vergleiche werden im Fachjargon meistens als sogenannte Charts bezeichnet. Ein Chart gibt eine grafische Auskunft darüber, wie sich ein Fonds in der Vergangenheit entwickelt hat. Der Vorteil liegt darin, daß man dadurch abschätzen kann, mit welcher Art von Fonds man es zu tun hat. Besitzt der Fonds hohe Kurvenausschläge, dann ist dies ein Indiz für höhere Risiken. Läuft der Chart hingegen ziemlich konstant, dann bedeutet dies, daß er nicht so risikobehaftet ist


Abbildung 9.1 Vergleich des thesaurierenden Fonds zum ausschüttenden Fonds im Bezug zum Rücknahmepreis

Es sollte jedoch berücksichtigt werden, daß Chartvergleiche Risiken in sich bergen, da sie nicht für alle Anlagekategorien gleichbedeutend einzusetzen sind, z.B. sieht ein thesaurierender Fonds im Gegensatz zu einem ausschüttenden Fonds grafisch meistens viel positiver aus, obwohl es tatsächlich nicht so sein muß. Beim ausschüttenden Fonds werden nämlich die Auszahlungen nicht berücksichtigt, sondern es wird nur der Rücknahmepreis dargestellt. In Abbildung 9.1 werden diese beiden Fonds miteinander verglichen, bei einer Annahme der gleichen Wertsteigerung von 6 % pro Jahr (Zinseszinseffekt nicht berücksichtigt). Man sieht das der thesaurierende Fonds grafisch viel besser abschneidet als der ausschüttende, obwohl bei beiden Fonds die gleichen Wertsteigerungsraten vorhanden sind.

 

9.2 Benchmarks

Wenn nicht nur mit anderen Fonds verglichen werden soll, dann nimmt man sogenannte Benchmarks zur Hand, die als neutrale Vergleichsmaßstäbe gelten sollen. Als Vergleichsmaßstab werden oft sogenannte Indizes betrachtet, da der Index viele Wertpapier eines bestimmten Spektrums widerspiegelt. Der bisher bekannteste ist wohl der Deutsche Aktienindex (DAX), welcher die 30 umsatzstärksten deutschen Aktien, auch als "Blue Chips" bezeichnet, enthält . Jedoch verliert dieser, seit der Einführung des Euros, an Bedeutung. Primär gilt für Westeuropa nun der EuroStoxx, welcher seit Anfang 1998 existiert und die 50 umsatzstärksten EWU-Teilnehmerländer-Aktien abbildet . Weitere wichtige Indizes sind der Dow Jones für die USA (enthält 30 US-Werte), der Nikkei für Japan (enthält 225 japanische Wert) und der FTSE-Index (enthält 100 britische Werte).

Die Einheit von Indizes sind normalerweise Punkte, damit die Vergleichbarkeit über Währungsgrenzen hinweg bestehen bleibt. Doch sollte man wissen, daß diese Punkte die Landeswährung repräsentieren und man z.B. bei dem Vergleich vom Nikkei zum DAX die Wechselkurse berechnen müßte, um ihn genau vergleichen zu können. Meistens wird dies jedoch nicht zu Rate gezogen, da die allgemeingültigen Verläufe eines Indizes auch durch die Punkteskalierung deutlich werden.

Allgemein heißt dies also, daß ein Index von der Zahl der enthaltenen Aktien, der Berücksichtigung der ausgeschütteten Erträge, der Art der enthaltenen Aktien und der Gewichtung der einzelnen Aktien abhängt. Der Vorteil dieser Benchmark-Vergleichsmethode liegt aber vor allem darin, daß man das Fondsmanagement beurteilen kann. D.h. man kann auf der Grundlage der vorhandenen Indizesergebnisse ein Vergleich zu dem vom Fondsmanagement erzielten Ergebnis durchführen. Durch diesen Vergleich kann der Anleger dann feststellen, ob das Fondsmanagement während der betrachteten Periode seine Werte gut oder schlecht investiert hatte.

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