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Bewundernswert - Rückblick September 2001

FONDS professionell - das unabhängige Fachmagazin für den InvestmentfondsberaterAlger: Beispiellose Anstrengung


Die US-Fondsgesellschaft Alger war von den Terrorakten des 11. September massiv betroffen und hat die Krise dennoch exzellent gemeistert.

David Alger kam zusammen mit mehr als 30 Kollegen beim Terroranschlag am 11.09. umWenn man über das Risiko von Fondsinvestments spricht, denkt man an Fehlspekulationen, falsche Strategien oder vielleicht sogar an Betrug. Dass aber ein Terroranschlag zum Problem werden könnte, hätte vor dem 11. September 2001 niemand gedacht. Und genau genommen hatten die Kunden der am stärksten betroffenen US-Fondsgesellschaft auch gar kein Problem – Fred Alger Management Inc. hat in einer beispiellosen Anstrengung alle unmittelbaren Probleme des Attentats gemeistert. Die Zentrale der Gesellschaft befand sich im 93. Stock eines der beiden Türme, dessen Einsturz mehr als 30 Mitarbeiter das Leben kostete, darunter Firmenchef David Alger und ein Großteil der Analysten und Fondsmanager des 1964 gegründeten Vermögensverwalters. Neben der persönlichen Tragödie drohte auch dem gesamten Unternehmen ein Fiasko – doch das konnten die Familie Alger und ihre Mannschaft auf bewundernswerte Weise abwenden.

Zu verdanken ist dies vor allem dem beherzten Einsatz des Firmengründers Fred Alger, der unmittelbar im Anschluss an die Anschlagserie wieder die Leitung des Tagesgeschäfts und zugleich das Krisenmanagement übernahm. So konnte der mögliche Kollaps der vergleichsweise kleinen Gesellschaft in den Tagen nach dem Anschlag vermieden werden. Zu den ersten Aufgaben des 66-Jährigen gehörte es, Kunden zu beruhigen und Schritte einzuleiten, die gewährleisten, dass auch künftig ein qualifiziertes Team für die Verwaltung der Anlegergelder zur Verfügung steht. Beides – darauf deutet derzeit alles hin – ist Fred Alger gelungen.

In Interviews bekundete Fred Alger, dass in den ersten Wochen nach dem Anschlag nur ein vergleichsweise kleiner Kunde (Volumen rund 70 Millionen US-Dollar) sein Depot aufgelöst habe. Zwei bedeutendere hätten einen Co-Manager eingesetzt, der überprüfen soll, wie Alger mit der Situation zurecht kommt. Brancheninformationen zufolge gehört hierzu American Skandia, die für ihr Anlagevermögen von 835 Millionen Dollar die MFS Investment Managers als Kontrolleur beauftragt haben. Auch die deutschen Alger-Investoren reagierten nach Angaben des Vertriebspartners Noramco besonnen. „Die Loyalität der amerikanischen Kunden konnten wir hier eins zu eins nachvollziehen“, sagt Noramco-Vorstand Roland Simon. Auch Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer bei der SJB Investment-Beratung, bestätigt diesen Eindruck: "Der Endkunde hat gelassen reagiert, und auch wir haben zur Ruhe geraten."

Entscheidend dürfte dabei – hier wie dort – die direkte Ansprache der Kunden gewesen sein. "Schon bevor das Unglück geschah, hat-ten wir eine Roadshow geplant, die dann auch trotz der tragischen Ereignisse stattfand", berichtet Simon. Somit bestand die Möglichkeit, die Zuversicht, die von der Alger-Zentrale verbreitet wurde, im direkten Gespräch weiterzugeben. Derweil hatte Fred Alger in einer groß angelegten Telefonkonferenz seine amerikanischen Kunden über die Lage informiert und in weiteren Gesprächen ehemalige Mitarbeiter überzeugt, zu Alger zurückzukehren, darunter einige namhafte Anlagestrategen, die ihr Handwerkszeug bei Alger gelernt haben und somit auch mit der Investmentphilosophie des Hauses bestens vertraut sind. Ein wichtiger Schritt zur Vertrauensbildung, meint Bennewirtz. "Ohne diese Neuverpflichtungen müss-te man jetzt wohl darüber nachdenken, die Gelder abzuziehen", so der SJB-Mann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die rasche Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs war die Existenz des 1993 aufgebauten Notbüros im benachbarten New Jersey, das nach dem ersten Anschlag auf das World Trade Center eingerichtet worden war. "Man hat sich oft gefragt, warum Alger den Aufwand für das Ausweichbüro betreibt. Jetzt wissen wir, wie vorausschauend das war", sagt Noramco-Vorstand Simon. Die Anleger hatten folglich Glück im Unglück, zumal auch die Abteilungen für Verwaltung, Marketing und Fonds-Pricing in New Jersey angesiedelt sind und somit nicht von den Anschlägen betroffen waren.

Alles in allem sieht es so aus, als ob Alger die Krise in den Griff bekommen habe. Das gilt auch in Hinblick auf die Wertentwicklung der verwalteten Fonds. Die US-Aktien-Fonds stehen wenige Wochen nach der Katastrophe da, wo sie Fred Alger am liebsten sieht: im oberen Drittel der Performance-Liste – und zwar sowohl im langfristigen als auch im kurzfristigen Vergleich.

KAGs sind gerüstet

Katastrophen vom Ausmaß des Anschlags auf das World Trade Center haben wohl die wenigsten Sicherheitsexperten einkalkuliert. Und trotzdem haben die Notfallsysteme der Finanzwelt gegriffen. Noch am Tag des Unglücks seien mehrere hundert Milliarden Dollar im Zahlungsverkehr abgewickelt worden, berichtet Hermann Josef Lamberti, Chief Information Officer bei der Deutschen Bank. Er wertet dies als Beleg dafür, dass die Krisenpläne im Datenfluss funktionieren. Aber auch die Bedeutung lokal entzerrter Einheiten sei durch den 11. September sehr deutlich geworden, unterstreicht Lamberti. Wie Alger konnte auch die Deutsche Bank auf ein Ausweichquartier in New Jersey zurückgreifen und so relativ zeitnah die Aktivitäten wieder aufnehmen. Nachfragen bei anderen Fondsgesellschaften haben ergeben, dass die Unterhaltung von Notfallquartieren eher die Regel als die Ausnahme ist. So verfügt etwa Baring Asset Management außerhalb Londons über ein Ausweichbüro mit 300 Arbeitsplätzen und ständiger EDV-Anbindung. Und auch Threadneedle und GAM unterhalten alternative und voll ausgestattete Recovery-Zentren für ihre Londoner Büros. Das gleiche gilt für INVESCO in Deutschland. Bei Activest folgt die Sicherung aus der "natürlichen" Geschäftsexpansion – "in München haben wir durch die zwei getrennten Büroräumlichkeiten alle Abwicklungssysteme gedoppelt, so dass mögliche Ausfälle überbrückt werden können". Darüber hinaus betreibe Activest in Luxemburg ein Ausweichrechenzentrum, das aber bislang noch nicht benötigt wurde – bleibt zu hoffen , dass dies auch so bleiben möge.

Quelle: FONDSprofessionell Ausgabe 3/2001