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Fonds-Ratings - kompakt und prägnant

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Langsam, aber sicher wird die Zahl der Fonds-Ratings unübersichtlich. Ist der Einsatz der Sterne, Punkte und Noten aber überhaupt sinnvoll?

AUSGEZEICHNETDie Anzahl an Ratings, Rankings und Awards wird laufend größer. Anleger nutzen diese Informationen bisher kaum - das könnte sich allerdings ändern.

Die Idee ist zu verlockend, als dass sie in der Praxis funktionieren könnte: Ein Expertenteam analysiert alle am Markt befindlichen Fonds nach allen Regeln der Kunst. Da werden Performance-, Risiko- und sonstige Zahlen errechnet und gewichtet, die Fonds in Kategorien gepackt und in Quartile eingeteilt, verschiedensten Benchmarks und Peergroups gegenübergestellt, und am Ende erhalten die "besten" Fonds Sterne, Punkte oder Noten – mehr Sterne ist gleich besserer Fonds. Es liegt auf der Hand, dass dieses Konzept nicht funktionieren kann, weil man dabei letztlich versucht – zugegebenermaßen mit wirklich guten mathematischen Tricks – die Zukunft vorherzusagen. Dabei steht doch sogar in jedem Fonds-Factsheet, dass "in der Vergangenheit erzielte Ergebnisse keine Garantie für die Zukunft darstellen". Jedes Heranziehen historischer Werte unterstellt, dass ein Fonds ein mehr oder weniger statisches Phänomen ist, der sich in ähnlichen Situationen ähnlich verhält.

Leider ist dies nicht der Fall. Genau betrachtet, hat man es bei der Fondsanalyse mit einer Gleichung aus einer gewaltigen Ansammlung von Unbekannten zu tun. Das fängt beim Fondsmanager bzw. dem Managementteam an. Der Fondsmanager kann wechseln, er kann seinen Stil ändern, er kann seinen Stil beibehalten, sich aber dennoch weiterentwickeln. Der nächste Punkt ist der Markt. Kein Markt stagniert, die deutsche Börse von 1989 hat mit dem heutigen Aktienmarkt Frankfurt nur mehr wenig gemein. Am besten zeigt sich das anhand der Indexzusammensetzung, sie variiert im Zeitablauf beträchtlich. Auch Entwicklungen wie die "Globalisierung", das Internet oder das Shareholder-Value-Konzept verändern die Investmentwelt. Die Trends der letzten zehn Jahre spiegeln sich in den Fonds-Charts für diesen Zeitraum wider – daraus ableiten zu wollen, dass auch die nächsten zehn Jahre so aussehen werden, wäre naiv.

Anleger nützen Ratings kaum

Eine Umfrage von Crèdit Suisse Asset Management, durchgeführt Ende des Vorjahres, ergab interessante Informationen darüber, wie die privaten Anleger Ratings und Rankings nützen. Zwar wurden Schweizer Investoren interviewt, man kann aber davon ausgehen, dass sich deutsche Anleger ähnlich verhalten. Befragt wurden 530 Besitzer von Fondsanteilen, sie sollten angeben, welche Einflussgrößen für sie beim Fondskauf wichtig sind. Zur Auswahl standen 26 Kriterien, die von 1 (absolut unwichtig) bis 10 (sehr wichtig) zu benoten waren. Das beruhigende Ergebnis: Awards rangieren als Entscheidungsfaktor beim Fondskauf auf Rang 19 von 26.

Die Anleger bezeichneten Sicherheit, Performance oder Transparenz als ausschlaggebende Einflussgrößen. Nun könnte man sagen: Wenn die Performance so wichtig ist, wird eigentlich aufgrund von Rankings gekauft – auch wenn sich die Fondskäufer dessen nicht bewusst sind. Interessanterweise wird diese Performance aber schon nach dem Kauf nicht mehr kontrolliert. Auf die Frage, ob sie die Wertentwicklung ihrer Fonds nach dem Kauf aufmerksam verfolgen, antworteten 58 Prozent der Umfrageteilnehmer mit Nein. Die Erklärung für dieses Verhalten dürfte im geringen Informationsstand der Anleger liegen. Auf die Frage nach ihrem Wissensstand über Fonds bezeichneten 29 Prozent der Anleger diesen als "eher weniger gut" bis "gar nicht gut" und 31 Prozent als "mittelmäßig".

Heißt das nun, dass all die Micropal-Sterne und Feri-Trust-Ratings "für die Katz`" sind? Natürlich nicht, denn obwohl Ratings als alleiniges Auswahlkriterium zu oberflächlich sind, können sie doch als ergänzendes Instrument nützlich sein. Christoph Hott, verantwortlich für die Investmentstrategien für Privatkunden des Bankhauses Oppenheim, baut Ratings gezielt in seine Auswahlstrategien ein. Doch auch er warnt vor einer Überbewertung von Ratings: "Wer bei der Fondsauswahl nur auf Ratings setzt, agiert zwangsläufig strikt prozyklisch – mit den entsprechenden negativen Folgen." Anleger, die etwa 1999 in die am besten gerateten Fonds investiert hatten, mussten im Jahr 2000 besonders hohe Wertverluste einstecken, denn die Bestperformer im Jahr 1999 waren meist stark technologieorientierte Fonds, die dann im darauf folgenden Jahr am härtesten von den Folgen des Crashs der Techno-Aktien betroffen waren. Die vergangenheitsbezogene Performancebetrachtung der Ratings birgt aber noch eine weitere Schwachstelle in sich. Junge Themenfonds aus zukunftsträchtigen Sektoren wie der Biotechnologie finden aufgrund ihrer kurzen Historie oft noch keine Berücksichtigung in den Ratings. Sich bei der Fondsauswahl nur auf Ratings zu stützen, würde bedeuten, die Gelegenheit zu verpassen, rechtzeitig in dieses attraktive Segment zu investieren.

Rating ist nicht gleich Rating

Christoph Hott, Leiter Investmentstrategie Oppenheim: Der Informationsgehalt einer Spitzenbewertung durch Lipper-Reuters ist deutlich geringer als etwa der eines Top-Ratings durch S&P Micropal. Für Hott ist der erste Schritt daher immer eine strategische Asset-Allocation-Entscheidung, die sich aus einer Kombination von fundamentaler und technischer Analyse ergibt. Bei dieser grundsätzlichen Entscheidung – in welche Märkte und Sektoren investiert wird und wie diese gewichtet werden – spielen Fonds-Ratings noch keine Rolle. Statistische Instrumente dieser Art kommen erst danach zum Einsatz, wobei der Grundsatz gilt: Rating ist nicht gleich Rating. "Reine Performance-Ratings wie Lipper-Reuters berücksichtigen nicht das eingegangene Risiko. Der Informationsgehalt einer Spitzenbewertung durch Lipper-Reuters ist daher deutlich geringer als etwa der eines Top-Ratings durch S&P Micropal", erklärt Hott. So kann das S&P-Rating bei der Fondsauswahl einen wichtigen Hinweis auf die Performancekontinuität und die Managementqualität liefern. Nach diesem System mit fünf Sternen bewertete Fonds sind nicht etwa die mit der besten Performance, sondern jene, die die kontinuierlichste Performance erwirtschaftet haben. Das Micropal-Rating prämiert nämlich jene Fonds, die relativ zum Sektordurchschnitt eine begrenzte Volatilität und eine stetig steigende Outperformance aufweisen. Für Hott sind daher Fonds mit einer positiven Bewertung durch S&P Micropal besonders für Anleger geeignet, die eine langfristig gute, aber auch sichere Anlagestrategie verfolgen.

Anders zu interpretieren ist hingegen das Rating von Feri Trust. Es setzt sich aus drei Indikatoren zusammen: Performance, Risiko und Management. Allerdings wird der Performance-Indikator mit 70 Prozent gewichtet, darüber hinaus fließt in ihn die Outperformance gegenüber dem Index ein, was zu häufigem Favoritenwechseln und der Begünstigung von relativ aggressiv gemanagten Fonds führen kann. Top-Fonds aus dem Feri- Trust-Rating haben laut Hott ihre Berechtigung daher eher in Portfolios tradingorientierter Investoren, die auf kurzfristige Spitzenrenditen ausgerichtet sind. Einen erheblichen Nachteil weist das Feri-Trust-Rating jedenfalls auf: Da alle gerateten Fonds eine Historie von mindestens fünf Jahren haben müssen, werden etwa junge Themenfonds nicht berücksichtigt. Um weitere Detailinformationen zu erhalten, nimmt Oppenheim bei seiner Fondsauswahl zusätzlich die Dienste des Bewertungsspezialisten Fonds Consult in Anspruch. Das Unternehmen beobachtet 4000 Fonds und erstellt Gesellschaftsporträts sowie individuelle Performancevergleiche. Fonds Consult arbeitet allerdings nur als Berater, die Bewertungsergebnisse werden auch nicht veröffentlicht. Morningstar- und Lipper-Reuters- Ratings kommen bei Oppenheim hingegen kaum zum Einsatz, weil sie, so Hott, zu stark performanceorientiert bewerten und wichtige Indikatoren wie das Risiko vernachlässigen.

Schlecht bleibt schlecht

Interessant sind auch die Erkenntnisse des "Journal of Financial and Quantitative Analysis", das in einer Analyse feststellte, dass US-Fonds, die in Performancevergleichen sehr schlecht abgeschnitten haben, mit statistisch signifikanter Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft unterdurchschnittlich performen werden. In der Praxis heißt dies, dass man Rankings eher von unten nach oben lesen sollte: Wer in Rankings und Ratings schlecht abschneidet, ist offenbar wirklich schlecht, wer gut abschneidet, ist hingegen mit Vorsicht zu genießen.


» Gegenüberstellung der Fonds-Ratings verschiedener Agenturen

Quelle: FONDSprofessionell Ausgabe 1/2001

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