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Anlagestil: Value-Fonds

FONDS professionell - das unabhängige Fachmagazin für den InvestmentfondsberaterZu spät für Value?


Zu spät für Value?
Obwohl noch viele Fondsgesellschaften zum Einstieg in Value-Fonds raten, ist es wahrscheinlich, dass deren "beste Zeit" vorläufig vorüber ist


Value-Fonds stehen auf den Empfehlungslisten der KAGs weit oben - zumindest dann, wenn sie selbst solche Fonds im Programm haben.

Obwohl man es ihr nicht anmerkte, war sie im März 1999 wohl doch enttäuscht, die damalige Vertriebschefin von Frontrunner Österreich Monika Reisinger. Sie hatte in einem Mailing zu einem Vortrag über Value-Investment in Wien eingeladen, und 70 Anlageberater hatten ihr Kommen zugesagt. Gekommen waren dann weniger als halb so viele, der Rest dürfte sich zum Großteil bei einer Parallelveranstaltung eingefunden haben, zu der INVESCO eingeladen hatte - das Thema "Value" war im Frühjahr 1999 wohl nicht "heiß" genug. Im Rückblick muss man nun aber sagen, dass alle, die dem Vortrag fernblieben, tatsächlich etwas versäumt haben. Value-Fonds-Experte Kim Olsen hatte damals ausführlich auf die Problematik der Wachstumswerte hingewiesen und darauf, dass der Zeitpunkt für die Beimischung von Value-Stocks günstig sei. Tatsächlich war er etwa ein Jahr zu früh dran mit seiner Warnung, Recht behalten hat er dennoch.

Begeisterung für Value-Fonds

Inzwischen stehen Männer wie Olsen längst nicht mehr allein da, heute fühlt sich eine Reihe von Fondsgesellschaften dazu verpflichtet, auf die Notwendigkeit von Value-Fonds im Portfolio hinzuweisen. Auch die Presse steht derzeit klar hinter den Value-Fonds, so hat etwa "Euro am Sonntag" jüngst sowohl den Nordea Far Eastern Value Fonds als auch den Nordea North American Value Fonds als Top- Fonds ausgezeichnet. Auch der Vontobel North America Value wurde in etlichen Kommentaren positiv erwähnt (siehe Chart).

Auch die Fondsgesellschaft Pioneer lässt verlauten, dass sich ihre - einige Zeit verschmähten - Value-Fonds wieder deutlich gesteigerter Nachfrage erfreuen. In den ersten vier Monaten 2001 lag das Neugeschäft von Pioneer Investments Deutschland bei 96 Millionen Euro. Pioneer-Chef Stanley Bronisz ging im Mai davon aus, dass diese Zuflüsse anhalten.

Andrew Spencer, Fondsmanager des JP Morgan Fleming European Strategic Value Fund erklärte Anfang April, dass die Value- Fonds ihre beste Zeit noch vor sich hätten. Spencer glaubte damals nicht, dass sich die Turbulenzen an den Technologiebörsen kurzfristig auflösen werden und daher wäre man in Value-Fonds wie dem seinen vorläufig - besser aufgehoben als in Wachstumswerte- Fonds.

Murdo Murchison, er verwaltet mit dem Templeton Growth Fund wohl einen der berühmtesten internationalen Value-Fonds, bezeichnete den Growth-Ansatz zuletzt in einem Interview mit "Die Welt" sogar als gefährlich, weil er sich zu sehr am Ergebniswachstum orientiere und die Volatilität bei Wachstumsunternehmen zu hoch sei. Die Folge seien laut Murchison spekulative Blasen, statt Aktien wie Cisco (KGV 50) kaufe er lieber Procter & Gamble (KGV 13).

Viele neue Value-Fonds

Angesichts solcher Stimmen, die wohl auch die Marktstimmung wiedergeben, wundert es nicht, dass auch gleich eine Reihe neuer Va - lue-Fonds auf den Markt kommen. So nützte etwa Alliance Capital Management die Gunst der Stunde und gab Anfang April die Auflegung von drei neuen Value-Fonds - immerhin die ersten Fonds dieses Typs aus dem Hause ACM - an (fairerweise muss man hinzufügen, dass im Hintergrund auch die Übernahme des auf Value-Investments spezialisierten Asset- Management-Unternehmens Sandford C. Bernstein & Co, zu sehen ist). Angeboten werden neuerdings ein internationaler, ein USund ein Europa-Value-Fonds. Und ACM ist nicht der einzige Wachstumsspezialist, der den "Wert" entdeckt hat.

Value-Fonds von Janus

Der wohl allerbeste Indikator für die "Value-Mode" ist die Nachricht, dass die US-Gesellschaft Janus - eigentlich fast schon ein Synonym für aggressive Wachstumswertefonds - mit Value-Fonds auf den Markt kommt. Nach der Auflage im Februar in den USA wurden mit dem "Strategic Value" binnen kürzester Zeit satte drei Milliarden USDollar eingesammelt. Bezüglich des Timings hat Janus gerade noch rechtzeitig die "Value- Kurve" gekratzt, denn während der Turbulenzen an den Wachstumswertemärkten im März und April konnte der neue Janus-Value-Fonds elf Prozent zulegen, während die riskanteren Konkurrenzprodukte aus demselben Haus noch einmal beträchtliche Rückschläge verkraften mussten.

Value-Fonds mit Small Caps

INVESCO legte Mitte Mai mit dem INVESCO Small Caps plus SMAX (WKN 531.886) sogar einen "Value-Fonds" auf, der primär in Aktien mittlerer und kleinerer europäischer Unternehmen investiert. Gekauft werden - dem Value-Konzept folgend - stark unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Der Fonds soll ein Pendant zum INVESCO Neue-Märkte-Fonds darstellen.
Es besteht kein Zweifel daran, dass man Value-Fonds grundsätzlich in jedem Portfolio gewichten sollte, allerdings darf in der aktuellen Phase nicht der Fehler gemacht werden, aus der relativen Outperformance der letzten zwölf Monate abzuleiten, dass Value- Fonds auch in den nächsten zwölf bis 24 Monaten überdurchschnittliche Erträge bringen werden. Die Fondsgesellschaften suggerieren dies derzeit zwar - nicht zuletzt, um das teilweise beträchtlich zurückgegangene Neugeschäft etwas anzukurbeln -, die Betrachtung der Entwicklung der Teilmärkte "Growth-" und "Value"-Aktien in den USA (siehe Grafik auf Seite lässt aber eher den Eindruck entstehen, dass die starke Divergenz zwischen Wachstums- und Substanzwerten vorläufig beendet ist. Allein schon die Anzahl der vielen neuen Value-Fonds, auch von Häusern, die dieses Thema bisher ignoriert haben, sollte auch als Warnung verstanden werden.

Fondsgesellschaften reagieren

Die Anlagegesellschaften müssen natürlich auf die geänderte Nachfragesituation reagieren und möglichst rasch passende Produkte auflegen. Als Berater sollte man dabei aber nicht zu unkritisch in die Value-Euphorie mit einstimmen, sondern sich lieber daran erinnern, wer denn im ersten Quartal 2000 eine derartige Begeisterung für Value-Fonds gezeigt hat, wie dies heute vielfach der Fall ist - damals wäre wirklich der richtige Zeitpunkt dafür gekommen gewesen.

Quelle: FONDSprofessionell Ausgabe 1/2001

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