Strategien und Trends
Stilanalyse:
... wie eine Ente
Mithilfe der Stilanalyse kann man Fondsmanagern sehr genau auf die Finger sehen – die Methode ist allerdings nicht ganz einfach.
Was steckt wirklich in einem Fonds drin?
Die Stilanalyse erkennt zwar nicht die einzelnen Aktien, sie zeigt aber, welche Märkte welchen Einfluss auf die Entwicklung eines Fonds haben.
Die Finanzindustrie unterliegt ebenso Moden und Trends wie alle anderen Wirtschaftszweige. Immer wieder tauchen Begriffe auf, die dann von Medien, Marketingleuten und auch von Anlegern rasch übernommen und – ohne großartig weiter darüber nachzudenken – verwendet werden. Wer heute Vertretern die Frage nach der Stilanalyse stellt, bekommt meist als Antwort, dass man einen Growth- oder Value-Ansatz bzw. eine Mischung daraus verfolgt. Tatsächlich ist damit die Frage nach dem Investmentstil beantwortet, nicht aber nach dessen Analyse.
Anfragen bei diversen Fondsgesellschaften zu diesem Thema brachten lediglich Informationen hinsichtlich der Vorgehensweise im Investmentprozess. Standard sind dabei die Beteuerungen, dass auch wirklich im Portfolio sei, was auf der Verpackung stehe, sowie technische Erläuterungen, wie dass der „wahre“ Value- oder Growth-Ansatz gefahren wird, und lange Storys über Analystenteams, die die gewünschte Stiltrennung observieren.
Mächtiges Instrument
Auf der Suche nach der Stilanalyse, die ein sehr mächtiges Instrument zur Analyse von Investmentfonds liefert, bringen die genannten Informationen jedoch nicht weiter. Die Stil-analyse kann Aufschluss geben über die Zusammensetzung eines Fonds, den Anlagestil und seine Konsistenz, sie gibt Einblicke in das Fondsmanagement, indem sie z. B. die Renditen eines Fonds in Allokations-, Selektions- und Timing-Anteil aufspaltet. Die Idee dahinter besteht darin, zu verstehen, wie die Zusammensetzung im Portfolio zustande kommt, gerade in Zeiten der neuen Plattformen mit ihren technischen Möglichkeiten sowie bei einer zunehmend aufgeklärten Klientel ein wahres Muss.
Ende der 80er Jahre entwickelte der Nobelpreisträger William F. Sharpe eine Methode, die mit dem Begriff Stilanalyse (style analysis) bezeichnet wird. Mithilfe der Stilanalyse sind erstaunlich detaillierte Einblicke in das Management eines Investmentfonds möglich, die auf der historischen Wertentwicklung des Fonds basieren. Mithilfe dieser Analyse können Investmentfonds und deren Eignung für eine bestimmte Anlagestrategie wesentlich besser eingeschätzt werden, als dies mit den üblicherweise zur Verfügung stehenden Informationen möglich ist. In den USA wird diese Methode vor allem im institutionellen Bereich sehr erfolgreich eingesetzt, in Deutschland und Österreich ist sie neu.
Auswahlinstrument Stilanalyse
AdvisorTech, eine Abwicklungsplattform mit US-Wurzeln, die dieses Jahr mit ihrer Internetplattform in Deutschland startete, ist bezüglich der Stilanalyse derzeit offenbar ein Vorreiter in Deutschland. Das Unternehmen setzt selbst Stilanalysen ein und eröffnet damit insbesondere Finanzberatern die Möglichkeit, diese Technik in ihren Beratungsprozess einzubinden.
Die Stärke dieser Analysemethode ist ihre Unabhängigkeit von den Informationen der Fondsgesellschaft. Nur in den seltensten Fällen erfahren Außenstehende tatsächlich exakt und rasch, was genau im Fonds enthalten ist. Die Stilanalyse verzichtet auf diese Daten, sie errechnet, wie sich der Fonds zusammensetzt bzw. zusammengesetzt hat.
Möglich ist dies dank eines statistischen Verfahrens (quadratische Optimierung), bei dem die Parameter so lange verändert werden, bis die Performance des Fonds durch die Performance der Indizes gut erklärt werden kann. Diese Berechnungen werden dann für verschiedene Zeitpunkte durchgeführt, und damit erhält man ein Bild über die Zusammensetzung des Portfolios im Zeitverlauf (siehe Grafiken). Natürlich kann das rein auf mathematischen Grundlagen errechnete Ergebnis nicht 100-prozentig mit der Realität übereinstimmen, für den Einsatz in der Praxis reichen die Daten aber allemal.
Die Abweichungen können sogar so weit gehen, dass das mathematische Modell zu dem Ergebnis gelangt, in einem Deutschland-Portfolio befänden sich US-Aktien oder japanische Dividendenpapiere. Dies kann dann der Fall sein, wenn sich deutsche Aktien im Portfolio befinden, deren wichtigste Absatzgebiete die USA oder Japan sind. Dadurch ergibt sich zwangsläufig eine gewisse Abhängigkeit von der jeweiligen Wirtschafts- und auch Börsenentwicklung. Die Performance des Fonds lässt sich demnach besser erklären, wenn man einen theoretischen Investitionsanteil in den USA bzw. im pazifischen Raum zugrundelegt. Damit wird klar, dass das Ziel der Stilanalyse nicht die exakte Nachbildung der jeweiligen Zusammensetzung des Portfolios ist, sondern vielmehr eine möglichst wirklichkeitsgetreue Erklärung der erzielten Rendite und damit auch ein detaillierter Einblick in das Fondsmanagement. Man spricht auch vom "effective mix", der effektiven Zusammensetzung, des Fonds. William Sharpe hat dies anschaulich erklärt: "Wenn sich etwas bewegt und verhält wie eine Ente, nehmen wir einfach an, es sei eine Ente!"
Entscheidungshilfe
Bei der Entscheidung, ob ein Fonds für eine Anlagestrategie geeignet ist, gibt gerade diese effektive Zusammensetzung Aufschluss darüber, wie sich ein Fonds in bestimmten Szenarien voraussichtlich verhalten wird. Damit wird die erläuterte Eigenschaft von Stilanalysen sogar eher zum Vorteil. Wichtig ist, dass man bei der Auswahl der Indizes, gegen die der Fonds analysiert werden soll, sehr gezielt vorgeht. Dann wird die Stilanalyse ein sehr interessantes und hilfreiches Instrument zur Fondsanalyse.
Quelle: FONDSprofessionell Ausgabe 2/2001
» Einsatz der Stilanalyse in der täglichen Praxis
» Welcher Stil hat wann wie abgeschnitten?
» Entwicklung der Stile. Warum ist Stil-Diversifikation wichtig?
» Performance bei Wachstums- und wertorientierter Anlagestil (PDF-Datei; 117 KB)
» Investmentstrategien: Growth oder Value (PDF-Datei; 445 KB) Quelle: Fidelity Inv.
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