Wann lächelt Japan wieder?
Untersuchung der aktuellen Marktsituation in Japan von MAINTRUST
 Japan -das Land des Lächelns- galt jahrzehntelang in Europa und Amerika als Wirtschaftsriese und als alles verschlingendes Exportungeheuer. Bis zum Platzen der Spekulationsblase 1990 war es gar die größte Volkswirtschaft der Welt. Der Nikkei stand am 29.12.89 bei unglaublichen 38.918 Punkten (heute bei ca. 11.551 Punkten !!).
Eine reformunwillige Politikerklasse, ein instabiler Finanzsektor und das Deflationsgespenst (Gegenteil von Inflation; Absinken des Preisniveaus) schrecken vor einem Investment in diesem überaus schönen und uns, durch seine tagtäglich gegenwärtigen Produkte im Alltag, doch bekannten Land, merklich ab.
Gibt es dennoch gute Argumente für ein Engagement in der immer noch zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt (welches andere Land hätte übrigens 12 Jahre Wirtschaftsabschwung so verkraftet wie Japan ??) ? Wir meinen auf jeden Fall: Ja.
Fakt ist, japanische Aktienwerte waren in den vergangenen 10 Jahren nicht unbedingt das "Nonplusultra" der Aktienmärkte, wie beigefügter Chart zeigt:
Schaubild 1: Die "großen" japanischen Aktienindices 1.1.1992 = 100
Beachtenswert dabei ist jedoch, daß der Kursverlauf nicht kontinuierlich abwärts verläuft, sondern ein volatiles Auf und Ab widerspiegelt. Interessant sind hierbei 3 Aufwärtsbewegungen:
- 01/93 - 05/93 um 25 % !
- 07/95 - 07/96 um >50% !!
- 09/98 - 02/00 um ca. 60% !!!
Daraus folgt:
Trotz Bärenmarkt gab es ertragreiche Haussephasen. Eine Kunst war es, dies natürlich voraus zu sehen. Tatsache ist aber, daß zwischen Konjunkturverlauf und Aktienmarkt auch in Japan ein klarer Zusammenhang besteht. So war es 95/96, wie auch 1998 - 2000.
Wir meinen, Japan steht wieder kurz vor solch einem Aufschwung !!
Gewagte Aussage wird der geneigte Leser jetzt denken. Mal sehen, ob wir unsere Aussage im Folgenden glaubhaft machen können. Vor allem, wenn man bedenkt, daß sich Japan schon im 3.Quartal hintereinander betrachtet in einer Rezession befindet (die Investitionen gingen in 2001 um 1,8%, und die Exporte sogar um 6,5% gegenüber dem Vorjahr zurück). Lediglich der um 3,1% gestiegene Staatskonsum verhinderte Schlimmeres. Verantwortlich für die Rezession war allerdings der durch die USA ausgelöste, weltweite Abschwung.
Was bringt nun 2002 ??
Nach Stagnation im 1.Halbjahr ist ab der Jahresmitte wohl mit einem Aufschwung zu rechnen:
- Privater Konsum und Anlageinvestitionen sind zwar weiter rückläufig, aber es gibt Anzeichen für ein starkes Exportgeschäft, ebenso wird der Staatskonsum ebenfalls weiter eine Konjunkturstütze bleiben.
Eine Ausweitung der Exporte wird stattfinden, weil
- sich die Weltwirtschaft, insbesondere die US-Ökonomie beleben wird und
- der Yen schwach ist.
Die USA als wichtigster Handelspartner wird daher Japan zu mehr Exporten verhelfen (Hinweis darauf ist bereits das deutlich gestiegene US-Handelsbilanzdefizit gegenüber Japan).
Aufgrund des niedrig bewerteten Yen (Korridor zwischen 130 - 135 -/Z) können die jap. Produkte auf den Weltmärkten wechselkursbedingt günstiger angeboten werden; Sogar Weltmarktanteile können dadurch erobert werden. Dadurch steigen die Exporte. Eine Abwertung dürfte sogar bis 140 - denkbar sein, was die Exportfähigkeit nur noch verstärkt.
Schaubild 2: Wechselkurs des Yen zum US-Dollar und zum Euro seit 1989
Der exportinduzierte Aufschwung verstärkt sich noch durch den sog. Basiseffekt (Rückgang des BIP in 2001 führt zu geringerer Ausgangsbasis 2002), sodaß sich relativ kleine absolute Steigerungen in relativ größeren Prozentänderungen niederschlagen.
Weiterhin stabilisiert sich allmählich die Industrieproduktion , wie ebenfalls die Stimmungsindikatoren bei Werten größer oder gleich 50 lagen (Werte über 50 indizieren Wachstum).
Nach langem und kräftigem Abschwung beginnen sich Industrieproduktion und Auftragseingang im Maschinenbau zu stabilisieren:
Schaubild 3: Industrieproduktion und Auftragseingänge Maschinenbau im Vorjahresvergleich seit 1992
Laut aktuellem Tankan Bericht ( = Umfrage der Bank of Japan bei 10.000 Unternehmen über die Einschätzung der Geschäftsentwicklung) haben die Firmen bereits Ihr zyklisches Tief hinter sich gelassen.
Schaubild 4: Geschäftserwartungen nach den Umfragen des Finanzministeriums (MoF) und des Tankan-Berichts der Bank of Japan
Nach dem Tief im Februar haben die jap. Indices per dato um fast 20% (!) zugelegt, um zuletzt eine kurze Verschnaufpause einzulegen. Allerdings dürfte der Aktienmarkt nun auch wieder, wie bei den letzten beiden Konjunkturaufschwüngen, davon profitieren.
Fakt ist somit:
- Konjunkturbelebung führt zu höheren Absatzzahlen
- Höhere Absatzzahlen verbessern die Gewinnsituation
- Die negativen Gewinnrevisionen sind stark rückläufig
- Die Up/Down-Ratio (Verhältnis der Unternehmen mit steigenden Gewinnen vs. Unternehmen mit fallenden Gewinnen) nähert sich der 1. > 1 bedeutet positiver Trend.
All diese Hinweise sprechen somit für eine Belebung der Konjunktur und somit in direkter Folge auch für eine Belebung des Aktienmarktes.
Ein immer wieder genannter Hinweis sind die ungelösten strukturellen Probleme, wie instabiler Finanzsektor, reformunwillige Politiker und die Deflation. Dies mag grundsätzlich ja auch stimmen.
Dennoch lohnt sich aufgrund der vorgenannten Gründe eine Übergewichtung Japans aus zyklischen Gründen. Die strukturellen Probleme sollten Investoren selbstverständlich genau beobachten, um in 12 - 18 Monaten, wenn die Aufschwungfantasie verfliegt, die Japanpositionen wieder zurück zu fahren.
Als Fazit kann somit festgehalten werden:
- Trotz kräftiger Verluste japanischer Aktien, gab es in diesem Bärenmarkt 3 kräftige Aufschwungphasen innerhalb der letzten 10 Jahre.
- Im 2. Halbjahr dürfte der Aufschwung -aufgrund Belebung der Weltkonjunktur und schwachem Yen- beginnen.
- Die Stimmungsindikatoren, wie auch die Industrieproduktion sind positiv.
- Die Gewinnwachstumsraten in 2002 und 2003 werden kräftig ausfallen.
- Davon wird der japanische Aktienmarkt ebenfalls profitieren.
- Jedoch sollten aufgrund der vorhandenen und ungelösten strukturellen Probleme ein Anlagehorizont von 12 - 18 Monaten (unter einhergehender genauer Beobachtung der japanischen Ökonomie) für eine Übergewichtung Japans im Gesamtportfolio nicht überschritten werden.
Zur Investition in diesem Markt (als Beimischung) bieten sich beim Maintrust folgende Fonds an:
- MAT Japan: Anlage in japanische Spitzenunternehmen aus einem Anlageuniversum von 400 japanischen Großunternehmen.
- MAT Furusato: Anlage erfolgt in Wandelanleihen gut fundierter japanischer Emittenten.
|