Die Investmentuhr
Das Konzept der Sektoruhr
Die Sektoruhr stellt das grundlegende Modell dar,
anhand dessen Merrill Lynch Investment Managers die
Sektorperformance vor dem Hintergrund des globalen
Konjunkturzyklus analysieren (vgl. unten abgebildete
Grafik). Dieses Modell unterteilt den Konjunkturzyklus
in vier Phasen, je nach dem, ob das
Wirtschaftswachstum gerade zunimmt oder
zurückgeht bzw. ob die weltweite Liquidität zu- oder
abnimmt.
Investieren vor dem Hintergrund des
Konjunkturzyklus
Aus der Vergangenheit wissen wir, dass verschiedene
Sektoren dazu neigen, in bestimmten Phasen des
Konjunkturzyklus gut bzw. schlecht abzuschneiden.
Insbesondere defensive Sektoren neigen dazu, bei
rückläufigem Wirtschaftswachstum gut
abzuschneiden, solange unsicher ist, wie stark und wie
lang die Konjunkturabkühlung sein wird. Zyklische
Sektoren hingegen liegen über dem Durchschnitt,
wenn das Wachstum zunimmt. In gleicher Weise
neigen „wertorientierte” Sektoren (solche mit relativ
geringen Bewertungen) zu Überperformance, wenn
die Liquidität nachlässt (bzw. die Zinsen steigen),
während „wachstumsorientierte” Sektoren gut
abschneiden, wenn die Liquidität zunimmt. Dies liegt
daran, dass ein niedrigerer Diskontsatz, der sich
typischerweise bei zunehmender Liquidität einstellt,
bewirkt, dass langfristige Erträge mehr Wert bringen.
Die Uhr lässt erkennen, dass der globale
Konjunkturzyklus dazu neigt, sich im Uhrzeigersinn
durch die vier Phasen des Zyklus zu bewegen, weil die
Zinssätze (und damit die Liquidität) sowohl auf
steigendes als auch auf rückläufiges
Wirtschaftswachstum jeweils mit Verzögerung
reagieren.
Definition des Zyklus
Da Märkte zukunftsorientiert sind, haben wir die vier
Phasen des Zyklus auf der Basis der Frühindikatoren für
Wirtschaftsfaktoren und Zinssätze definiert. Die
Frühindikatoren sind diejenigen, die künftige
Veränderungen vorwegnehmen. In diesem Modell
verwenden wir die Frühindikatoren der OECD als Maß
für das Weltwirtschaftswachstum und die
grenzüberschreitende globale Kapitalliquidität als
Liquiditätsmaß.
Die grenzüberschreitende Liquidität ist definiert als
überschüssige liquide Mittel, die nicht von der
Realwirtschaft absorbiert werden und deshalb für die
Finanzmärkte zur Verfügung stehen. Dieser Index
verhält sich in etwa gegenläufig zum globalen
Zinszyklus, tendiert jedoch dazu, die Zinsentwicklung
vorwegzunehmen. Die Kombination dieser Variablen
bietet im Vergleich zu anderen Messzahlen für
Weltwirtschaftswachstum und Zinssätze (bzw.
Liquidität) die besten statistischen Ergebnisse für die
Sektorperformance.
Welche Sektoren gehören in welche Bereiche?
Die unten abgebildete Tabelle zeigt, welche Sektoren
nach Einschätzung der Fondsmanager in welche
Kategorie fallen. Diese Einschätzungen wurden einer
Fondsmanagerstudie von Merrill Lynch entnommen.
Wie man erwarten würde, gelten
konjunkturunabhängige Konsumgüter und Versorger
als defensiv-wertorientiert, Gesundheitswesen als
defensiv-wachstumsorientiert, Technologie und
Energie als zyklisch-wachstumsorientiert und
konjunkturabhängige Konsumgüter und Edelmetalle
als zyklisch-wertorientiert. Dabei ist es wichtig zu
beachten, dass diese Interpretation sich im Laufe der
Zeit ändern mag, weshalb die Entwicklung genau
verfolgt werden muss.
Die Einordnung des Telekombereichs in den defensiv-wachstumsorientierten
Quadranten erscheint
angesichts der derzeitigen Verhältnisse fraglich,
während Energie sich in letzter Zeit eher defensiv- als
zyklisch-wertorientiert erwiesen hat.
Einschätzung der Sektorentwicklung durch die
Fondsmanager
Wie hat sich diese Einschätzung bewährt?
Wir haben die durchschnittliche historische
Sektorperformance für jede Zyklusphase über 20
Jahre bis Ende April 2001 untersucht.
Erfreulicherweise hat die Analyse gezeigt, dass die
Sektoren im Großen und Ganzen jeweils in der
Zyklusphase überdurchschnittliche Performance
zeigten, in welcher wir dies aufgrund unserer
Zyklusuhr erwartet hatten. Gesundheitswesen und IT
zum Beispiel waren die am besten abschneidenden
Sektoren in den defensiv-wachstumsorientierten bzw.
zyklisch-wachstumsorientierten Phasen des Zyklus,
genau wie unsere Sektoruhr vermuten ließ. In der
zyklisch-wertorientierten Phase zählten
konjunkturabhängige Konsumgüter und allgemeine
Industriewerte zu den Top-Performern, während in
der defensiv-wertorientierten Phase
konjunkturunabhängige Konsumgüter und Versorger
besonders gut abschnitten. Genauso signifikant war
unsere Feststellung, dass in der Vergangenheit auch
die Phasen der Unterperformance weitgehend mit
dem übereinstimmten, was aufgrund unseres
Uhrenmodells zu erwarten war. IT zum Beispiel war
der am schlechtesten abschneidende Sektor in der
defensiv-wertorientierten Phase, auch wenn er über
den gesamten Zeitraum gesehen durchschnittlich den
Markt übertraf.
Diese Analyse lässt vermuten, dass die Sektoruhr ein
nützliches Modell ist, um festzustellen, welchen
Sektoren in den verschiedenen Phasen des
Konjunkturzyklus der Vorzug zu geben ist. Eine
genauere Analyse zeigt jedoch, dass dringend davor
gewarnt werden muss, diesem Modell blind zu
vertrauen. Zum einen gab es in der Vergangenheit
eine Reihe von Anomalien, z.B. zeigte der IT-Sektor
während der letzten zwei Jahrzehnte in jeder der
zyklisch-wertorientierten Phasen die bei weitem beste
Performance, während Finanzwerte während der
defensiv-wertorientierten Phase am besten
abschnitten. Zum anderen waren die Renditen
während der letzten zwei Jahrzehnte stark volatil,
obwohl das Modell durchschnittlich im Großen und
Ganzen stimmte.
Schlussfolgerung
Unseres Erachtens stellt die Sektoruhr ein nützliches
Modell dar, um die Sektorverteilung für die
verschiedenen Phasen des globalen Konjunkturzyklus
zu beurteilen. Man muss sich jedoch auch der
Beschränkungen dieser zweidimensionalen Analyse
bewusst bleiben, die vor allem die kurzfristige
Entwicklung betreffen. Insbesondere ist zu beachten,
dass dieses Modell Bewertungen, Veränderungen
anderer wichtiger Makrovariablen oder Bottom-up-Faktoren
nicht berücksichtigt. Es ist deshalb wichtig, es
in Verbindung mit anderen Top-down- und Bottom-up-Faktoren
zu sehen.
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Hinweis: Nutzen Sie die Gelegenheit zu sehen, in welcher
Marktphase wir uns zur Zeit befinden und welche Sektoren sich in solchen
Marktphasen in der Vergangenheit wie verhalten haben.
Diese Untersuchung gibt keine Aufschlüsse für das Anlegerverhalten in der Zukunft, aber dennoch werden wichtige Anhaltspunkte für typische Marktreaktionen dargestellt.
Vertrauen Sie diesem Modell jedoch nicht blind und seien Sie sich der Berschränkung einer solch zweidimensionalen Sichtweise bewußt.
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