Investmentfondsanalyse: Edelmetall Gold erlebt eine stürmische Renaissance
Fonds im Goldrausch
Quelle: Welt am Sonntag, 26.August 2001
Berlin - Nach zwei Jahrzehnten im Abwärtssog hat sich der Wert
des Goldes im
vergangenen halben Jahr fulminant nach oben entwickelt: um kanpp
40% schoss
der erfolgreichste Goldaktien-Fonds in die Höhe. Einiges spricht
dafür, dass die Börsianer das Edelmetall wieder für einen sicheren Hafen halten.
"Bis die Goldminen-Aktien wieder ein Niveau wie vor fünf Jahren erreichen,
haben wir noch ein Plus-Potenzial von 205% vor uns", sagt Trevor
Steel. Wer
dem Optimismus des Fondsmanagers im Januar vertraute, hat heute
schon 37,4%
Rendite mit dem Mercury Selected Trust World Gold & Mining Fund
erwirtschaftet. Damit markiert der Fonds die Bestmarke für das laufende
Jahr, kein anderer wanderte so weit in die Gewinnzone.
"Die Anleger haben Gold wieder als sicheren Hafen für ihre Geldanlage
entdeckt", sagt Fondsmanager Steel. Aus Steels Sicht gibt es stichhaltige
Gründe dafür, dass sich an diesem Trend so schnell nichts ändert:
- Wenn der US-Dollar sinkt, steigt der Goldpreis, Goldminen-Aktien legen
noch stärker zu.
- Nach dem Washingtoner Vertrag (Washington Agreement) vom
September 1999
haben sich die führenden Industrienationen verpflichtet, binnen
vier Jahren
insgesamt 400 Tonnen jährlich aus den Reserven der Notenbanken zu
verkaufen.
Ende 2003 läuft das Washington Agreement aus, bis vor kurzem
gingen Experten
noch von einer automatischen Verlängerung der Vereinbarung aus. Doch jetzt
mehren sich die Stimmen, die ein anderes Szenario für
wahrscheinlich halten:
Steigt der Wert von Gold weiterhin, könnten viele Notenbanken dafür
plädieren, ihre wertvollen Barren nicht mehr in der vorgegebenen Menge auf
den Markt zu geben - sondern die wertvollen Barren stattdessen einfach im
Tresor zu belassen.
- Nach dem Niedergang des Goldpreises investierten die
Minenbetreiber kaum
noch in die Erschließung neuer Stollen. Hält die steigende Nachfrage für
Schmuck, Münzen, Zahngold, einige Industrieanwendungen und Barren jetzt
allerdings an, könnte schnell eine Angebotsverknappung für Gold eintreten.
"Es gibt noch Luft nach oben beim Goldpreis", sagt Pierre Martin,
Fondsmanager des DWS Goldminenaktien Typ 0. Mit dieser Prämisse hat es
Martin nach eigenem Bekunden "relativ leicht", von der Gold-Hausse zu
profitieren. "Entscheidend ist für meine
Investmententscheidungen, wie sich
die Betreiber der Minen gegen die Entwicklung des Goldpreises abgesichert
haben", sagt Martin. So sei etwa einer der weltweiten Marktführer, Barrick
Gold, für langfristig stabile Lieferpreise bekannt: Der Konzern
sichert sich
durch verschiedene Finanz-Instrumente, meist auf dem Derivatemarkt, gegen
fallende Goldkurse ab. Barrick-Konkurrenten wie Goldfield oder
Anglo-Gold in
Südafrika dagegen versichern sich in weitaus geringerem Maße
gegen fallende
Kurse. Dadurch erhöht sich die Gefahr, dass die
Unternehmensbilanz Einbußen
aufgrund fallender Goldkurse erleidet. DWS-Manager Martin: "Bei einem
fallenden Goldpreis investiere ich stärker in Unternehmen, die sich gegen
Schwankungen abgesichert haben. Steigt der Kurs, schichte ich um:
Dann kaufe
ich Unternehmen, die profitieren, weil sie sich gegen fallende Goldkurse
nicht abgesichert haben. Sie nehmen einen Aufschwung voll mit, während die abgesicherten, risiko-averseren Konzerne zurückbleiben."
Im Moment funkelt das wiedererweckte Gold den Aktionären verheißungsvoll
entgegen. Und bisher sind kaum Anzeichen für eine Kehrtwende auf dem
boomenden Goldmarkt in Sicht.
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