Aktuelle Börsenlage von Klaus Hagedorn
Klaus Hagedorn, Metzler Investment GmbH
Nach der Kurserholung im April und Mai von den Börsentiefständen Ende März kam es im Juni zu einer Abwärtsbewegung, die beim DAX ca. die Hälfte des vorangegangenen Anstiegs ausmachte. Beim Dow Jones und dem Nasdaq-Index waren es ca. 40 % des vorherigen Anstiegs. Einzig der Neue Markt gab den gesamten Gewinn wieder ab und unterschritt den März-Tiefstand.
| 26.06.2001 |
| DAX |
5.902 |
Dow Jones |
10.504 |
| Nasdaq |
2.051 |
Nemax 50 |
1.369 |
Wie sieht das 2. Halbjahr 2001 aus?
Großwetterlage:
Die Konjunkturdaten sehen sowohl in den USA als auch in Europa und Japan miserabel aus. Dies ist am Ende einer Abwärtsbewegung allerdings ganz normal. Börsentiefstände liegen 1-3 Quartale vor den Konjunkturtiefständen, d. h. die Unternehmens- und Wirtschaftsdaten verbessern sich nicht unmittelbar.
Eine Besserung ist jedoch in den USA im 3. Quartal möglich, denn im 3. Quartal wird die erste Tranche des Steuersenkungsprogramms der Regierung Bush fällig. 42 Mrd. $ fließen in die Wirtschaft. Verbunden mit der aggressiven Zinssenkungs-politik der US-Notenbank wird dies die Wirtschaftslage im 3. Quartal stabilisieren. Damit wird das 2. Quartal im Vorjahresvergleich den Tiefstand der Konjunkturent-wicklung markieren. Ähnliches kann leider über Europa nicht gesagt werden. Hier wird sich das Wirtschaftswachstum weiter abschwächen und entsprechend negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne haben.
Positiv ist hierbei, daß in beiden Wirtschaftsbereichen die Inflationszahlen in den kommenden Monaten rückläufig sein werden. Dies ist ein wichtiges Plus für die Entwicklung der Finanzmärkte.
Angesichts dieser Lage wird die Abwärtsbewegung der kurzfristigen Zinsen in den USA nach der Zinssenkung in dieser Woche (wir erwarten eine weitere Zinssenkung von 0,5 %) auslaufen, während in Europa durchaus das Potential besteht, daß die EZB das Tempo der Zinssenkungen beschleunigt.
Börsenentwicklung:
Die US-Aktienmärkte haben ihre Tiefstände Ende März bzw. Anfang April gemacht. Trotz der Kursrückgänge im Juni befindet sich der Dow Jones 15 % über seinem März-Tiefstand und der Nasdaq-Index liegt sogar rund 25 % höher. Massive Gewinnenttäuschungen im Juni bewirkten nicht mehr als eine normale Börsenkorrektur, haben aber eine Börsenstimmung erzeugt, die identisch ist mit der Stimmung am Ende des 1. Quartals. Diese war immerhin die Grundlage für die Aufwärtsbewegung im April/Mai.
Hier muß kurz auf einen technischen Aspekt eingegangen werden.
Gewinnwarnungen kommen meistens im 3. Monat eines jeden Quartals, weil die Unternehmen erst am Quartalsende eine Idee bekommen, wie das Quartal gelaufen ist. Nach dem Quartalsende, d. h. in der Berichtsperiode der Quartalsgewinne, werden dann überwiegend Gewinne berichtet, die wie erwartet eingetroffen sind oder sogar besser als erwartet eingetreten sind. Dieser Effekt führt dazu, daß der jeweils dritte Monat des Quartals in einer statistisch signifikanten Weise die anderen beiden Monate unterperformt. Die miserable Börsenstimmung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Initialzündung für eine Aufwärtsbewegung in den kommenden Monaten liefern. Mit über 2 Billionen $ in Geldmarktfonds und hoher Liquidität in den Aktienfonds ist auch genug Geld für einen Börsenaufschwung vorhanden.
Die unterschiedliche Konjunkturlage in Europa wird vermutlich Auswirkungen auf die Börsenentwicklung in Europa haben, jedoch wird die Richtung der Märkte von den USA vorgegeben. Die Auswirkungen werden sich eher in einer leichten Unterperformance Europas gegenüber den USA niederschlagen - wie sie sich im bisherigen Verlauf des Jahres schon gezeigt hat, z. B. Dow Jones - 1,7 %,
DAX - 7,6 %, Nasdaq - 17,6 %, Nemax - 50,7 % - nicht aber in einer unterschiedlichen Richtung der Märkte.
Es besteht also durchaus Grund mit einem gewissen Optimismus in das zweite Halbjahr 2001 zu gehen.
Metzler Investment GmbH
Klaus Hagedorn
Frankfurt am Main, den 26. Juni 2001
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