Vive la France
Euro. Zwölf Länder
bereiten sich auf die
Gemeinschaftswährung
vor. Warum in Frankreich
die Stimmung steigt,
welche Chancen das
Land Anlegern bietet.
Am 1. Januar ist es so weit:
Zwölf Länder führen eine
einheitliche Währung ein,
den Euro. Dafür mussten die
zwölf sich jahrelang ganz schön
ins Zeug legen, denn es gab klare
Vorgaben. Die Staatsverschuldung,
das Haushaltsdefizit und
die Inflationsrate (s. Grafik) durften
Obergrenzen nicht übersteigen.
Trotz aller Einschränkungen
– beim Nachbarn Frankreich
überwiegt heute die Zustimmung
zum Euro: 56 Prozent aller Franzosen
sind zuversichtlich, wenn sie
an die Umstellung denken – während
in Deutschland der Anteil
der Skeptiker mit 58 Prozent immer
noch überwiegt.
Wie die Einstellung der Bürger
in den Euroländern zur Einheitswährung
ist und wie fit diese
Länder für den Euro sind, das
zeigt GELDidee in einer Serie. Den
Auftakt macht Frankreich.
Wirtschaftsdaten und Stimmungungsbilder
Günstige Arbeitsmarktentwicklung und Steuersenkungen stimmen die Franzosen positiv. Das sorgt
für Kauflust und stützt das Wachstum. Die Zahl der Euro-Befürworter ist deutlich gestiegen.
Kräftiges Wachstum
Die Franzosen sind nicht nur gut
gestimmt, sondern auch gut gerüstet.
Im Jahr 2000 stieg das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) um
mehr als drei Prozent. Insbesondere
die Maßnahmen der letzten
Jahre auf dem Arbeitsmarkt gaben
der Wirtschaft positive Impulse.
So sorgten die Einführung der
35-Stunden-Woche, die Senkung
des Arbeitgeberanteils an den Sozialabgaben
und die Senkung der
Lohnnebenkosten für einen kräftigen
Beschäftigungsanstieg. Die
Arbeitslosenquote sank von 9,7
Prozent in 2000 auf derzeit 8,6
Prozent (s. Grafik) – ein Befreiungsschlag.
„Das gibt von zwei
Seiten Auftrieb: Zum einen verdienen
mehr Leute mehr Geld und
geben entsprechend mehr aus.
Zweitens gibt es einen psychologischen
Schub, die Leute schauen
zuversichtlicher in die Zukunft“,
sagt Markus Heider von der Deutsche
Bank Research. Das Beschäftigungswachstum
wird zwar nicht
im gleichen Tempo weitergehen,
aber ein weiterer Rückgang der
Arbeitslosigkeit wird erwartet.
Steuersenkungen und die Erhöhung
des staatlich fixierten
Mindestgehalts um gut vier Prozent
haben die Kaufkraft auch
der einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen
angehoben.
Die Kauflust der Franzosen wird
damit weiterhin die Hauptstütze
der Wirtschaftsentwicklung sein
und dem Land in diesem Jahr voraussichtlich 2,6 Prozent Wachstum
bescheren (s. Grafik).
Dem ölpreisbedingten Anstieg
der Inflationsrate begegnete
die französische Regierung
mit Steuersenkungen für besonders
betroffene Berufsgruppen
und mit Abschlägen bei der Mineralölsteuer.
Dafür erntete sie
zwar Schelte von den EU-Partnern,
doch das erhoffte Ergebnis
trat ein: Die Inflationsrate ging
zurück.
Wirtschaftspolitische Alleingänge
wagen die Franzosen schon
mal gerne. Sie sind traditionell bemüht,
sich von äußeren Einflüssen
abzuschirmen. Doch in der zusammenwachsenden
EU wird das
nicht mehr möglich sein. Während
die deutsche Konjunktur immer
noch stark von der US-Wirtschaft
abhängt, wird Frankreich,
das mit den USA geringer verflochten
ist, eher vom wichtigsten
Handelspartner Deutschland
beeinflusst.
Frankreich-Fonds
L‘Oréal, Renault, Aventis oder Vivendi Universal gehören zu den bekannten französischen Unternehmen, die auch Fondsmanager bevorzugen. Wer
nicht nur in Einzeltitel investieren, sondern die Chancen des gesamten französischen Markts nutzen möchte, setzt auf die Erfahrung der Profis.
Gute Anlagechancen
Das gilt auch für die Stimmung
an den Pariser Börse, die sich
kaum von der in Deutschland
unterscheidet. Der CAC 40, der
dem Dax entsprechende wichtigste
Aktienindex Frankreichs, verlor
seit Jahresbeginn rund 18 Prozent.
Der Nouveau Marché, der
Markt für junge Wachstumswerte,
büßte sogar 64 Prozent ein.
Dennoch bietet Frankreich interessante
Einzelwerte. Vor allem in
der Luft- und Raumfahrt, der Automobil-
und der pharmazeutischen
Industrie zählen die Franzosen
zur Weltspitze. Im Euro Stoxx
50, dem Index der führenden europäischen
Standardwerte, sind
allein 16 französische Unternehmen
vertreten.
AXA S.A.
Der weltweit größte Versicherungskonzern
verwaltet ein Vermögen von
über 890 Mrd. Euro. Damit zählt
AXA zu den größten Vermögensverwaltern
der Welt. Diese Position sowie
die Bereiche Lebensversicherung und
Altersvorsorge will der Konzern weiterhin
stärken.
Empfehlung: Einstieg bis 35 Euro.
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EADS
Die Muttergesellschaft des Airbus
ist das drittgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen
der Welt. Im Jahr
2000 erzielte der Konzern rund 24 Mrd.
Euro. Für das laufende Geschäftsjahr
rechnet man dank guter Auftragslage
mit 20 Prozent Wachstum.
Empfehlung: Zielsetzungen vielleicht
zu ehrgeizig – vorsichtig kaufen.
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Suez S.A.
Die international tätige Gruppe konzentriert
sich auf die Geschäftsfelder
Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung
sowie Kommunikation. Im
ersten Quartal des laufenden Jahres
konnte Suez den Umsatz um 33 Prozent
auf 10,5 Mrd. Euro steigern.
Empfehlung: Aktie bereits gut gelaufen,
aber ein solider Standardwert.
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