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Pictet - Bio-Technik/Engineering

Stammzellen (stem cells) - ein hochaktuelles Thema

Als Stammzellen werden diejenigen Körperzellen bezeichnet, aus denen alle anderen spezialisierten Zelltypen (von denen es mehr als 250 gibt) durch Differenzierung entstehen können. Nur Stammzellen haben und behalten die ursprüngliche Fähigkeit, sich in verschiedene Zelltypen zu entwickeln; sie sind deshalb für die Regenerationskraft des Körpers enorm wichtig. Mit SZ von Mäusen wurde schon länger geforscht, mit menschlichen SZ erst seit kurzem. Sie unterteilen sich in :
  1. Embryonale (embryonic) Stammzellen
  2. Körperstammzellen, meist von Erwachsenen (adult stem cells, im deutschen auch adulte Stammzellen oder Gewebestammzellen genannt)

ad a)
Menschliche embryonale SZ sind nur schwer zu gewinnen (aus Embryonen in frühem Stadium - bis zum Alter von 2 Wochen - die bei der künstlichen Befruchtung übriggeblieben sind), und es gibt weltweit nur 3 Kulturen in denen sie gehütet werden. Es begann 1998, als aus einer menschlichen Blastozyste - einem 4-5 Tage alten und durch Teilung mit etwa 100 Zellen ausgestatteten Embryo- in einer Petrischale durch Zugabe sog. Wachstumsfaktoren nahezu unsterbliche Stammzellen in großer Anzahl gezüchtet werden konnten. Sie können sich Hunderte Male teilen und behalten immer noch ihr volles Potenzial - ein nahezu perfekter Grundstoff. Man kann diese Zellen dazu bringen, dass man jedes Ersatzgewebe züchten kann (deswegen werden sie auch "totipotent" oder "Universalzellen" genannt, weil man theoretisch einen vollständigen Menschen daraus "züchten" könnte). Damit eröffnen sich gänzlich neue Therapieansätze für die meisten schweren Krankheiten: von Herz-Kreislauf- bis zu neuro-degenerativen Krankheiten (wie Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson und Diabetes).

ad b)
Adulte Stammzellen werden aus dem ausdifferenzierten Gewebe von Organen von Erwachsenen oder aus der Nabelschnur Neugeborener gewonnen, und sind nur "erneuerungsfreudig", (also nicht totipotent) können sich also nicht in jeden möglichen Zelltyp entwickeln. Sie können nur in ihrer Funktion eingeschränkte Zellen regenerieren; eignen sich also wegen ihrer Wandlungsfähigkeit als Ersatzgewebe für diverse geschädigte Organe. Beispiel: Aus adulten Stammzellen des Knochenmarks konnte man bei Mäusen Leberzellen herstellen und entsprechende Leberschäden reparieren; Knochen- und Fettzellen hat man ebenso daraus gewonnen wie Muskel- und Thymuszellen. Zwar braucht man dazu kein Embryo zu töten, das Auffinden und die Gewinnung von adulten SZ in genügenden Mengen ist aber extrem schwierig.


Exkurs:
Einen neuen Weg beschritt der Kieler Forscher Rose-John: Er hat nach dem Vorbild eines natürlichen Stoffes ein Designer-Molekül mit dem Namen Zytokin-Hyper-IL 6 entwickelt (und an Mäusen getestet), mit einer erstaunlichen Eigenschaft: Es kann die natürliche Differenzierung bestimmter Zellen anhalten oder sogar rückgängig machen. Mit diesem Molekül will er die Stammzellenzüchtung entscheidend voranbringen. Embryostammzellen wachsen nämlich von selbst zu allerlei unerwünschten Gewebetypen weiter. Die natürlichen Zytokine, die bisher eingesetzt wurden um diese Reifung zu verhindern, sind ungenügend. Sein Designer-Zytokin könne vielleicht der Stoff sein, der die Stammzellen unbegrenzt auf dem Höhepunkt ihrer Vielseitigkeit fixiert.


Weitere Durchbrüche in der embryonalen Stammzellenforschung (alles bisher immer nur an Mäusen, noch nicht an Menschen!!!!): - Schaffung von Hirnzellen, die den bei Parkinson-Patienten fehlenden Botenstoff DOPAMIN herstellen, - Schaffung von hochspezialisierten Zellen, die die Isolierschicht um Nervenfasern, das sog. Myelin, nachbilden und damit - in einem viel späteren Zeitpunkt- als denkbare Transplantate für Multiple-Sklerose Patienten in Frage kommen.

Im Wettlauf der Stammzellenforscher haben diejenigen, die embryonale SZ einsetzen, die größeren Chancen, da die Anwendung vielseitiger und der Reproduktionsvorgang einfacher ist; aber die ethischen Widerstände sind beträchtlich größer. Aber beide Ansätze haben sich aus medizinischer Sicht als ausgesprochen vielversprechend erwiesen, und fast im Wochenrhythmus kommen von beiden neue Ergebnisse. Trotzdem muss man vor übereilten Hoffnungen warnen: erst in 4-6 Jahren könnte das erste Produkt aus der Stammzellenforschung klinisch am Menschen erprobt werden. Weitere 4-5 Jahre später könnte das Produkt dann auf den Markt kommen.

Quelle: Pictet