EURO am Sonntag im Interview mit Herrn Geissler
Ausgabe Nr.34 vom 26. August 2001
NACHGEFRAGT
Immo-Fonds zum Nulltarif
Offene Immobilien-Fonds gelten als schwerfällig. Wer sein Geld nur kurzfristig anlegen will, meidet sie, weil der Ausgabeaufschlag (Agio) von rund fünf Prozent schnelle Gewinne verhindert. Beim Online-Fonds-Vertreiber Infos (www.infos.com) ist das anders. Er bietet Beteiligungen am Immobilien-Fonds CS Euroreal ohne Agio an. Was es mit dem Angebot auf sich hat, erklärt Infos-Geschäftsführer Thomas Geissler.
EURO: Herr Geissler, Sie verzichten beim CS Euroreal auf ein Agio. Das
klingt für Anleger gut? - aber wo ist der Haken?
Geissler: Da gibt es keinen Haken. Wir geben den Anlegern bei den
meisten Fonds einen Nachlass auf den üblichen Ausgabeaufschlag. Der
variiert zwischen 25 und 100 Prozent. Das heißt, der Verzicht auf den
Aufschlag beim CS Euroreal ist für uns nichts Außergewöhnliches. Als
reine Internetfirma können wir große Kundenzahlen abwickeln und so die
Kosten gering halten.
EURO: Das klappt vor allem deswegen, weil Sie nicht beraten. Aber sind
die Aufwendungen dann gleich so gering, dass Sie wie beim CS Euroreal
zum Nulltarif arbeiten?
Geissler: Ja, in diesem Fall tun wir das. Allerdings nur befristet. Ab
Oktober nehmen wir für den CS Euroreal einen Ausgabeaufschlag von 0,3
Prozent.
EURO: Kassieren Sie dafür als Ausgleich an anderer Stelle mehr, etwa bei
den laufenden Gebühren?
Geissler: Nein, natürlich nicht. Bei uns gibt es völlige Transparenz der
Kosten, ohne Wenn und Aber.
EURO: Und Ihr Angebot gilt für jedermann?
Geissler: Grundsätzlich ja. Allerdings muss die Anlagesumme beim CS
Euroreal mindestens 10.000 Mark betragen, damit wir auf den
Ausgabeaufschlag verzichten können. Dafür genießt ein Anleger, der nun
Anteile am CS Euroreal erwirbt, auch das Recht, bei allen nachfolgenden
Anlagen in diesen Fonds keinen Aufschlag zahlen zu müssen.
EURO: Der - wenn auch nur vorübergehende - Nulltarif gilt nur für den CS
Euroreal. Was ist mit anderen offenen Immo-Fonds? Gibt es die demnächst
auch mal ohne Agio?
Geissler: Nein, daran ist nicht gedacht. Unsere Aktion mit dem CS
Euroreal hat damit zu tun, dass wir mit der Credit Suisse bereits eine
langjährige Partnerschaft unterhalten.
EURO: Wenn Sie da mit einem Agio von maximal 0,3 Prozent auskommen,
andere Vertreiber aber fünf Prozent kassieren, bedeutet das, dass Ihre
Kollegen sich auf Kosten der Anleger über Gebühr bereichern?
Geissler: Das kann man so pauschal nicht sagen. Wenn ein Anleger von
einem Fachmann qualifiziert beraten wird, ist eine Gebühr absolut
angebracht. Über die Höhe könnte man natürlich diskutieren.
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