Anwendbarkeit neoklassischer Finanzierungstheorien auf die
Emerging Capital Markets in Mittel- und Osteuropa
Einleitung und Problemstellung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der
Kapitalmarktforschung, wobei sowohl die neoklassische Betrachtungsweise als auch die
neo-institutionalistische Interpretation der dabei offenbleibenden Fragen ihren Einfluß
finden, und mit den Möglichkeiten, die beide Ansätze bieten, um erfolgreiche
Investitionen tätigen zu können.
Dargestellt werden soll dies am Beispiel einiger ausgewählter aufstrebender Märkte -
der sogenannten Emerging Markets - in Mittel- und Osteuropa. Diese Länder zeichnen sich
dadurch aus, daß trotz geographischer Nähe und einer vergleichbaren politischen und
wirtschaftlichen Entwicklung zum einen die Kapitalmärkte der einzelnen Länder ein
deutlich unterschiedliches Niveau aufweisen, während ihnen andererseits gemein ist,
daß sie von ausländischen Investoren aufgrund der besonderen sich bietenden Chancen
verstärkt vor allem für Portfolio-Investitionen in Betracht gezogen werden.
Verständlich wird die wachsende Bedeutung dieser Märkte für internationale
Anleger, wenn man die hier in letzter Zeit erzielten Renditen mit denen an Börsen in
entwickelten Ländern vergleicht. Während ein Engagement in die Werte des deutschen
Aktienindex DAX - auf DM-Basis - über das Jahr 1996 mit 26,3 Prozent und eine am
amerikanischen S&P 500 Index ausgerichtete Anlage mit 33,2 Prozent rentierte, konnte ein
Investor an den Börsen Warschaus mit 74,8 und Budapests mit 146,9 Prozent eine deutlich
höhere Rendite erzielen.
Ein "kostenloses Mittagessen" , so wird an der Wall Street behauptet, existiert in der
Finanzwelt nicht. Gemeint ist damit die Einschätzung der Analysten, daß abnormale
Renditen, also solche Gewinne, deren Preis in Ausprägung ihres Risikos - bezogen auf ihren
Marktwert - unter dem marktüblichen Niveau liegt, grundsätzlich nicht zu erzielen
sind. Untersuchungen vor allem des amerikanischen Aktienmarktes, auf die in einem späteren
Abschnitt noch eingegangen wird, haben gezeigt, daß diese Erkenntnis, wenn sie auf
entwickelte und weitgehend effiziente Märkte bezogen wird, durchaus über
Gültigkeit verfügt.
Für die in dieser Arbeit betrachteten Emerging Markets hingegen ergibt sich aufgrund von
Marktunvollkommenheiten, deren Existenz und Akzeptanz die Grundlage der
neo-institutionalistischen Forschung bildet, sowie der daraus resultierenden
Informationsasymmetrie zwischen verschiedenen Investoren ein anderes Bild. Durch die Ausnutzung
von Unvollkommenheiten bietet sich einzelnen Investoren die Chance ungleich höherer
Renditen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, anhand einzelner Kriterien, dargestellt am Beispiel
ausgewählter Länder in Mittel- und Osteuropa, herauszuarbeiten, welche Faktoren
berücksichtigt werden müßsen, um Außsagen zum Grad der Effizienz
einzelner Kapitalmärkte treffen zu können und zu belegen, warum die theoretischen
Ansätze der Neoklassik für Investitionsentscheidungen in Emerging Markets (bisher)
nur sehr begrenzt anwendbar sind. Zudem soll gezeigt werden, mit welchen Problemen
neoklaßsische Überlegungen auch bei weitgehend effizienten Kapitalmärkten
konfrontiert sind.
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