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Anwendbarkeit neoklassischer Finanzierungstheorien auf die Emerging Capital Markets in Mittel- und Osteuropa

1. Begriffliche Grundlagen

1.2. Emerging Markets

Definition
Der Begriff "Emerging Markets" (zu deutsch "Aufstrebende Wachstumsmärkte" oder "Aktienmärkte in Schwellenländern" ), der 1981 von einem Angestellten der Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) geprägt wurde, ist in der Literatur nicht durch eine eindeutige Definition umrissen. Gemeint sind die Kapitalmärkte jener Länder, die nicht von der Weltbank als Industrienationen eingestuft sind, wobei eine Klassifizierung ausschließlich nach Ländern stattfindet.

Es gibt jedoch verschiedene Kennzeichen, anhand derer sich einzelne Kapitalmärkte als Emerging Markets einstufen lassen, die sich auf Entwicklungsrückstände im Vergleich zu den Industrienationen beziehen. Die IFC verwendet vorrangig das Kriterium, daß ein Emerging Market ein geringes oder mittleres Pro-Kopf-Einkommen aufweisen muß. Das ist der Fall, wenn das Bruttosozialprodukt (BSP) pro Kopf bei unter USD 8.956 liegt. Zusätzliche Forderungen können sein, daß das betreffende Land über eine "gewisse" wirtschaftliche und politische Stabilität verfügt sowie einen regulierten und funktionierenden Börsenhandel besitzt bzw. aufbaut, wobei der Kapitalmarkt ein an der Börsenkapitalisierung zum BSP gemessenes Defizit gegenüber den entwickelten Märkten aufweisen muß. Zuletzt müssen Wertpapiere von ausländischen Investoren erworben werden können und die Rückführung des eingesetzten Kapitals sowie der erzielten Erträge weitgehend ohne Restriktionen erfolgen können. Andere Quellen nennen als zusätzliche Kriterien einen Anteil an der Weltmarktkapitalisierung, der bei unter drei Prozent liegen muß oder die Prämisse, daß kein Wertpapier des Landes Einfluß in den Morgan Stanley Capital Index (MSCI) findet.

Weltweit gibt es über 170 Staaten, deren Pro-Kopf-Einkommen unterhalb der Grenze von USD 8.956 liegt und die daher potentiell den Emerging Markets zugerechnet werden können. In diesen Ländern, die einen Anteil von 76 Prozent an der bewohnbaren Erdoberfläche ausmachen, leben 84 Prozent der Weltbevölkerung. An der weltweiten Wertschöpfung nehmen die Emerging Markets dagegen bisher nur mit 21 Prozent teil. Was die Kapitalmärkte betrifft, so existiert in nur 82 dieser Länder eine funktionierende Wertpapierbörse.

Dessen ungeachtet hat sich die Bedeutung der Emerging Capital Markets über die letzten Jahre deutlich erhöht. Während 1985 der Anteil der Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen an der Weltbörsenkapitalisierung noch bei nur 3,7 Prozent lag, war dieser Wert bis Ende 1995 schon auf 13,7 Prozent angestiegen.

Bedeutung für internationale Investoren
Innerhalb des letzten Jahrzehnts ist die internationale Aufmerksamkeit, die den Aktien- und Anleihemärkten von Schwellen- und Entwicklungsländern gewidmet wird, stark gestiegen. Dies liegt wesentlich an den spektakulären Kursentwicklungen, die diese Märkte zeitweise zu verzeichnen hatten. Ein weiterer Grund liegt in der Ausbreitung der Portfoliotheorie mit ihrer Forderung nach internationaler Diversifikation und damit einer stärkeren Beachtung der Emerging Markets als Randbereich der Finanzmärkte.

In umfangreichen Analysen haben Fondsmanager und Banken sich damit beschäftigt, wie ausgeprägt ein Engagement in Emerging Markets sein sollte, damit Anleger an den in diesen Ländern potentiell höheren Renditen partizipieren können, ohne dabei ein wesentlich höheres Risiko einzugehen. Die angestellten Berechnungen belegen, daß es nicht nur möglich ist, bei gleichem Risiko die Rendite eines Portfolios zu erhöhen, sondern bei einer Beimischung von zwischen 5 Prozent und 20 Prozent an Wertpapieren aus Emerging Market sogar das Gesamtrisiko des Portfolios zu mindern. Dies erklärt sich aus der nur geringen Interaktion der Kapitalmärkte der Emerging Markets und der etablierten Märkte, die sich in einer extrem niedrigen Korrelation ausdrückt. Während der amerikanische S&P 500 und der englische FT-100 Index im Betrachtungszeitraum von 1990 bis 1995 eine Korrelation von 0,41 aufwiesen sowie S&P 500 und DAX mit einem Wert von 0,44 korrelierten, lag der Gleichlauf zwischen S&P 500 und verschiedenen Emerging Markets bis auf wenige Ausnahmen weit unter einem Wert von 0,4.

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