Anwendbarkeit neoklassischer Finanzierungstheorien auf die
Emerging Capital Markets in Mittel- und Osteuropa
2. Ansätze der neoklassischen Finanzierungstheorie
2.1 Einführung
Die nun folgenden Theorien und Modelle der neoklassischen Wirtschaftswissenschaft basieren
durchgehend auf der Annahme eines vollkommenen und vollständigen Marktes, wie er unter den
begrifflichen Grundlagen dargestellt wurde. Allgemein geht die Neoklassik von der Annahme
rationaler Erwartungen aus, die es ihr ermöglicht, Gleichgewichtszustände zu definieren. Die
damit verbundenen Schwierigkeiten sowie der Umfang, in dem die zu besprechenden
Entscheidungsmodelle auf reale Märkte Anwendung finden können und dürfen, werden in späteren
Kapiteln dieser Arbeit wieder aufgegriffen.
Grundlage für die Beschäftigung mit den nachfolgenden Modellen, wie dies für nahezu alle
Modellthesen und ökonometrischen Modelle gilt, ist die Einsicht, daß es diesen niemals möglich
sein wird, als ein tatsächliches Abbild der Wirklichkeit betrachtet werden zu können. Aussagen,
die durch diese Modelle getroffen werden, können stets nur in eingeschränkter Form auf reale
Situationen übertragen werden.
Im traditionellen Portfoliomanagement wurden Investitionen, die der Finanzierung von
unternehmerischen Aktivitäten dienten, grundsätzlich auf Basis der dadurch erzielbaren Rendite
bewertet, wobei ein nur qualitativ zu erfassendes Risiko rein intuitiv mit in die Betrachtung
einbezogen wurde. Vorhandene Investitionsmöglichkeiten waren aufgrund der starken Nachfrage
nach Produkten aller Art und des vorherrschenden Kapitalmangels kaum risikobehaftet, so daß
sich Kapital durch beinahe jede Investition gut rentierte und außergewöhnliche Verzinsung zu
erzielen war. In diesem wirtschaftlichen Umfeld bestand kein hinreichender Bedarf nach einer
Quantifizierung des verschiedenen Wertpapieren inhärenten Risikos, so daß darüber kaum Aussagen
getroffen wurden.
Durch die Wende in der Betriebswirtschaftslehre von einer güterwirtschaftlichen zu einer
entscheidungsorientierten Betrachtungsweise ergab sich ein finanzierungstheoretischer Ansatz,
nach welchem Investitionen beurteilt wurden. Aus traditioneller Sicht nämlich erfüllten
Investition und Finanzierung nur Hilfsfunktionen bei dem im Vordergrund stehenden Sachziel
eines jeden Unternehmens, durch seine Produktion die Befriedigung der Konsumbedürfnisse der
Bevölkerung sicherzustellen. In der modernen Sicht stehen aufgrund einer weitgehenden
Marktsättigung sowie stärkerer Konkurrenz dagegen nicht mehr das Unternehmen und dessen
Versorgung mit Kapitalmitteln zum Zwecke seiner Aufrechterhaltung im Vordergrund, sondern
einzelne Wirtschaftssubjekte, die Unternehmen als Instrumente einsetzen, um ihren individuellen
Nutzen aus Konsumeinkommensströmen zu maximieren.
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