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Anwendbarkeit neoklassischer Finanzierungstheorien auf die Emerging Capital Markets in Mittel- und Osteuropa

3. Kapitalmarkteffizienz

3.1. Einführung

Die implizite und dabei doch grundlegende Annahme aller bisher vorgestellten Modelle, die gleichzeitig Grundlage aller neoklassischen Gleichgewichtsmodelle ist, wurde erst Anfang der siebziger Jahre zum Gegenstand der Kapitalmarktforschung. Um Realitätsnähe zu erlangen, muß herausgestellt werden, daß im Mittelpunkt der Untersuchungen nicht steht, "ob Kapitalmärkten grundsätzlich ein Grad an Effizienz zugeschrieben werden kann, sondern der Grad der Effizienz selbst steht zur Diskussion".

Ein Kapitalmarkt kann dann als effizient bezeichnet werden, wenn die Marktpreise der Wertpapiere zu jeder Zeit alle erhältlichen Informationen reflektieren und jede neue Information über ein Wertpapier unverzüglich in dessen Bewertung durch den Markt einfließt ("At any time, security prices fully reflect all available information" ). Ein Kapitalmarkt kann nach Fama dann als effizient gelten, wenn er einerseits keine relevanten Informationen bei der Bepreisung von Wertpapieren vernachlässigt und auf ihm andererseits rationale Erwartungen vorherrschen . Kursschwankungen, die durch Angebots- oder Nachfrageüberhang ausgelöst werden könnten, werden bei einer fairen Bepreisung daher ebenfalls vernachlässigt.

Die Vorstellung, daß ein Kapitalmarkt effizient sein könnte, basiert auf drei grundsätzlichen Annahmen, die auch von Markowitz, Sharpe und Ross vorausgesetzt wurden. So gehen alle Modelle davon aus, daß sich die Preisbildung auf den Märkten dadurch vollzieht, daß eine größere Anzahl von gewinnmaximierenden Marktteilnehmern unabhängig voneinander Wertpapiere analysiert und bewertet. Neue Informationen, die Auswirkungen auf den Marktwert haben könnten, sind dabei unabhängig voneinander. Die wichtigste Voraussetzung ist aber, daß Investoren neue Informationen umgehend durch Kauf- oder Verkaufstransaktionen in die Preisbildung einfließen lassen. Durch die gegenseitige Konkurrenz stellt sich dann ein neuer, fairer Preis für ein Wertpapier ein. Sind diese Voraussetzungen gegeben, folgt daraus, daß Preisänderungen vollkommen unabhängig voneinander zustande kommen . Gleichzeitig ließe sich aus der Existenz effizienter Märkte ableiten, daß der bereits beschriebene Kapitalgüternutzen niemals über dem dafür zu entrichtenden Kapitalbetragsnutzen liegt und somit keinerlei Anreiz zu einem aktiven Handel am Markt besteht.

Je nach Bewertung der Kapitalmarkteffizienz lassen sich Rückschlüsse auf die Güte und Anwendbarkeit der im letzten Abschnitt ziehen. Kann deren wichtigste Prämisse, nämlich die des einheitlich rationalen Anlegers, der mit seinem wirtschaftlichen Verhalten für effiziente Märkte sorgt, nicht aufrechterhalten werden, so werden die Grenzen der neoklassischen Thesen deutlich.

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