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Anwendbarkeit neoklassischer Finanzierungstheorien auf die Emerging Capital Markets in Mittel- und Osteuropa

3. Kapitalmarkteffizienz

3.4. Bewertung und Implikationen der Kapitalmarkteffizienzhypothese

Die beschriebenen Anomalien führen zu einer kritischeren Betrachtung der Aussagen der Kapitalmarkteffizienzhypothese. Allerdings beansprucht die Markteffizienzforschung nicht, daß Kapitalmärkte tatsächlich vollkommen effizient sind. Es geht ihr vielmehr darum, den Grad der Informationseffizienz beurteilen zu können. Die Hypothese der Informationseffizienz ist entsprechend nur ein Modell, das ein ungefähres Abbild der Realität liefern soll.

Für am amerikanischen Aktienmarkt durchgeführte Untersuchungen ergibt sich daher die Erkenntnis, daß es Fondsmanagern, bei denen ein Informationsvorteil vermutet werden könnte, als professionellen Anlegern in der Regel nicht möglich ist, durch ihre Strategien ein besseres Ergebnis zu erzielen als eine Investition in ein Portfolio, das eine allgemeine Benchmark abbildet. Daß es institutionellen Anlegern möglich ist, gelegentliche Überrenditen zu erzielen, wird durch die Forschung dagegen nicht abgestritten.

Entwickelten Märkten kann eine hinreichende Effizienz offenbar unterstellt werden, da es selbst professionellen Investoren nicht möglich ist, systematisch Überrenditen gegenüber Marktindizes wie dem US-amerikanischen S&P 500 und dem deutschen DAX an den jeweiligen Kapitalmärkten zu erzielen. Nur in Einzelfällen, und oft nur kurzfristig, sind institutionelle Investoren in der Lage, den ihnen unterstellten Informationsvorsprung durch eine aktive Anlagestrategie zum eigenen Vorteil zu nutzen. Für den deutschen Markt konnte beobachtet werden, daß inländische Gesellschaften langfristig höhere Renditen zu erzielen vermögen als ihre ausländischen Konkurrenten.

Wenn einem Markt ein gewisser Grad an Effizienz unterstellt werden kann, wird damit gleichzeitig die Existenzberechtigung von Portfoliomanagern, Finanzanalysten und anderen institutionellen Marktteilnehmern in Frage gestellt. Ihre Aufgabe besteht letztlich nur noch darin, durch Marktbeobachtungen und Analysen Informationsdefizite auszugleichen. Abhängig vom Grad der Akzeptanz der Portfolio- und Kapitalmarkttheorie sowie der Effizienzhypothese lassen sich Schlußfolgerungen für die Investmentphilosophie ableiten. Bei streng effizienten Märkten sollte nur eine das Marktportfolio nachbildende passive Strategie angewandt werden, während bei abnehmender Effizienz ein zunehmend aktiver Ansatz Verwendung finden sollte.

Abbildung 3: Grad der Informationseffizienz und ableitbare Anlagestrategien

An den noch jungen Kapitalmärkten in Mittel- und Osteuropa ist es professionellen Anlegern durchaus möglich, durch aktives Anlagemanagement Erträge zu erzielen, die weit über den vergleichbaren Marktrenditen liegen. In 1996 konnte der erfolgreichste ausländische Investmentfonds auf DM-Basis einen Wertzuwachs von 155,4 Prozent verzeichnen, während auf gleicher Basis selbst die ungarische Börse mit dem weltweit zweithöchsten Kursgewinn eine Steigerung von 146,9 Prozent verzeichnete, wobei der Fonds nicht ausschließlich in Ungarn, sondern in erheblichem Umfang auch in Polen und Tschechien investiert war, die 1996 eine Steigerung von 86,7 Prozent und 24,4 Prozent aufwiesen.

Da andere Fonds mit vergleichbaren Anlageschwerpunkten bezüglich der für ihre Investitionen gewählten Länder, Branchen und Unternehmen deutlich abweichende Ergebnisse erzielt haben , läßt auf Informationsineffizienzen in den jeweiligen Ländern schließen, die einzelne Investoren in die Lage versetzen, Informationsvorteile gegenüber anderen Marktteilnehmern gewinnbringend zu nutzen. Durch die auf der Vorstellung effizienter Kapitalmärkte basierenden Gleichgewichtsmodelle der Neoklassik sind derartige Renditeanomalien nicht zu erklären.

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