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Anwendbarkeit neoklassischer Finanzierungstheorien auf die Emerging Capital Markets in Mittel- und Osteuropa

4. Neo-institutionalistische Ansätze

4.1. Einführung

Die neo-institutionalistische Finanzierungstheorie beschäftigt sich mit der Frage, in welchem Maß und unter welchen institutionellen Voraussetzungen sich in der Realität eine Annäherung an die neoklassische Prämisse der vollkommenen und vollständigen Kapitalmärkte finden läßt. Sie konzentriert sich daher auf Sachverhalte, die sich der neoklassischen Lehre entziehen. Der Neo-Institutionalismus geht abweichend von der Neoklassik nicht davon aus, daß am Kapitalmarkt in erster Linie verschiedene Zahlungsströme unter Informationseffizienz gehandelt werden. Vielmehr wird dargestellt, daß Finanzierungsbeziehungen durch Informationsasymmetrien gekennzeichnet sind und sich das Interesse von Investoren am Handel mit Wertpapieren durch tatsächliche oder vermutete Informationsvorteile gegenüber anderen Marktteilnehmern erklären läßt. Gegenüber der Neoklassik, die sich mit dem reinen Tausch von Kapitalgütern beschäftigt, ist die Kooperation der Marktteilnehmer im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Beziehung von entscheidender Bedeutung.

Beide Ansätze gehen dabei von der Vorstellung eines rationalen Marktteilnehmers aus. Allerdings wird der Begriff "rational" unterschiedlich gewertet. Aus kapitalmarktorientierter Sicht ist "rational" mit einer objektiven Bewertung belegt. Unter der Annahme einer Kooperation zwischen Marktteilnehmern wird "rational" dagegen eher als individuell subjektive Rationalität verstanden, bei der die Nutzenmaximierung einer jeden Partei im Vordergrund steht. Dabei präzisiert und differenziert der Neo-Institutionalismus die Aussagen der Neoklassik, wenn von einem vollständigen und vollkommenen Markt gesprochen wird. Auf das formale Modell des Neo-Institutionalismus, dessen Ziel die Ermittlung eines Kapitalmarktgleichgewichts unter Informationsasymmetrien ist, soll in dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Es kommt dagegen die verbale Form zur Anwendung, deren Ziel die Erweiterung der neoklassischen Modellanschauung um institutionelle Aspekte auf argumentativer Ebene ist.

In diesem Kapitel werden die einzelnen Forschungsansätze des Neo-Institutionalismus vorgestellt, um eine Grundlage für die in den nachfolgenden Abschnitten durchgeführte Untersuchung bezüglich der Effizienz und institutionellen Ausgestaltung einiger ausgewählter Kapitalmärkte in Mittel- und Osteuropa zu schaffen.

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