Marktberichte

Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 01.05.2026

Alles wieder gut?

Etwa zwei Monate nach dem Beginn der Kriegshandlungen im Iran wirken die Kapitalmärkte erstaunlich gefasst: Obwohl die Energiepreise stark schwanken und sich auf einem erhöhten Niveau bewegen, und die geopolitische und geoökonomische Unsicherheit hoch bleibt, präsentieren sich vor allem die risikobehafteteren Vermögensklassen Aktien und Unternehmensanleihen gut behauptet. Ist dieser Optimismus belastbar – oder verkennt er potenzielle Risiken? Anbei ein komprimierter Blick auf die jüngsten Marktbewegungen und eine Einordnung der Argumente.

Wie können die Marktbewegungen interpretiert werden?

Seit Kriegsbeginn fungiert der Ölmarkt als Seismograph der Krise. Zu Jahresbeginn gingen viele Marktteilnehmer von einem leicht überversorgten Ölmärkt aus. Mit ca. 60 US-Dollar (USD) pro Barrel Öl der Sorte Brent lag der Ölpreis auf dem niedrigsten Niveau seit 2021. Als sich die Anzeichen für eine mögliche militärische Eskalation verdichteten, baute der Ölpreis schrittweise in den Februar hinein eine politische Risikoprämie von etwa 10 USD/bbl auf. Auf dem Höhepunkt des militärischen Konflikts schoss er in der Spitze auf fast 120 USD, fiel zwischenzeitlich auf 90 USD und notiert beim Verfassen dieses Textes wieder oberhalb von 105 USD. Auch die Terminpreise haben nachgezogen: Für das Frühjahr 2027 stieg der Terminkurs von 60 USD zeitweise bis 85 USD und liegt aktuell um 80 USD. Die Ölmärkte preisen also schrittweise länger anhaltende Angebotsrisiken ein. Dies scheint folgerichtig: Je länger die Meerenge von Hormuz faktisch unpassierbar bleibt, je mehr Ölangebot fehlt unwiederbringlich auf dem Weltmarkt.

Die mit steigenden Energiepreisen einhergehenden Inflationssorgen haben sich bei den Renditen der Staatsanleihen bemerkbar gemacht. Hier gab es in kurzer Zeit spürbare Renditeanstiege. In den USA legten die Renditen zweijähriger „Treasuries“ (Staatsanleihen) um rund 30 Basispunkte zu, zehnjährige um etwa 15 Basispunkte. In Deutschland stiegen die zweijährigen Bundesanleihen um mehr als 40 Basispunkte, zehnjährige um 15–20 Basispunkte. Die kräftigeren Bewegungen am kurzen Ende der Zinskurve signalisiert eine Neubewertung der zu erwartenden Zentralbankpolitik. Im Fall der Europäischen Zentralbank (EZB) werden höhere Wahrscheinlichkeiten für Zinserhöhungen beziehungsweise, mit Blick auf die US-Notenbank Federal Reserve, geringere Chancen von Zinssenkungen eingepreist. Passend dazu haben sich in im SwapMarkt ablesbaren Inflationsraten für die kommende Einjahresperiode dies- und jenseits des Atlantiks merklich nach oben bewegt. Und auch die in Umfragen abgefragten Inflationserwartungen der privaten Verbraucher steigen spürbar, wie zuletzt beispielsweise eine Umfrage der EZB gezeigt hat.

Vergleichsweise unbeeindruckt präsentierten sich Kreditmärkte: Die Zinsaufschläge, als Maß für das Risiko von Unternehmensanleihen, haben sich im März zwar ausgeweitet, liegen aber inzwischen wieder in der Nähe des Vorkriegsniveaus, vor allem in den USA. Ein ähnliches Bild ist auf den Aktienmärkten zu beobachten: Der MSCI World sowie die wichtigen US-Indizes notieren inzwischen über Vorkriegsniveau, europäische Leitindizes liegen allerdings noch darunter. Besonders stark: der US-Halbleiterindex SOX sowie asiatische Märkte mit hohen Technologiegewicht wie Korea und Taiwan. Konsumnahe Sektoren bleiben dagegen zurück. Sie werden belastet von Kaufzurückhaltung und Margenrisiken. Die Marktmechanik scheint klar: strukturelle Wachstumsnarrative rund um die Ausrüster für Künstliche Intelligenz dominieren. Das Vertrauen in Konsumklima und Zykliker jenseits von hochfliegenden Technologietrends erweist sich als deutlich gedämpfter.

Bei den Währungen hat der US-Dollar als klassischer sicherer Hafen zuletzt wieder an Strahlkraft verloren – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Vorteile der Vereinigten Staaten bei der Energieversorgung geringer einschätzt oder Chancen in anderen Regionen erneut stärker gewichtet.

Zuversicht oder Sorglosigkeit?

Für den Optimismus der Aktien- und Kreditmärkte sprechen mehrere Punkte. Die US-Wirtschaft zeigt sich bisher insgesamt widerstandsfähig, die Lage der Weltwirtschaft lässt sich mit „gut genug“ beschreiben. Historisch haben sich Kapitalmärkte in Krisenphasen oft schneller stabilisiert als harte Daten und Stimmungsindikatoren aus der Wirtschaft – ein Muster, welches Anlegern aus den Zeiten von Pandemie und „Liberation Day“ noch frisch in Erinnerung ist. Zudem wirkt das Innovationsnarrativ rund um Künstliche Intelligenz als eigenständiger Treiber von Gewinn- und Produktivitätsfantasie – mit geringem unmittelbarem Bezug zum Geschehen in Nahost und dem Potenzial, die Angebotsseite von Volkswirtschaften längerfristig zu stärken. Schließlich speist sich Zuversicht auch aus der Erwartung, dass die US-Politik keine lang anhaltend hohen Energiepreise tolerieren wird und bei Bedarf gegensteuert. In gewisser Weise dämpfen Anleger sogar selbst durch ihr Verhalten die Abwärtsrisiken. Die Tatsache, dass die Kredit- und Finanzierungskanäle für Unternehmen offenbleiben, die finanziellen Bedingungen sich kaum verschlechtert haben, senkt alles andere gleichbleibend die Rezessionsrisiken.

Gegen eine allzu sorglose Interpretation sprechen jedoch mittelfristige Risiken. Im Szenario einer monatelang anhaltenden Unterversorgung von Öl und Gas –mit einer langen Blockade der Straße von Hormuz – sehen viele Analysten Ölpreise über 150 USD/bbl voraus. Dies dürfte über eine erzwungene Drosselung der Energienachfrage Rezessionsrisiken erhöhen, insbesondere für viele energieimportierende Länder in Asien und Europa. Nebenbei würden über fehlende Basischemikalien und (Edel-)Gase enormer Stress auf wichtige Lieferketten ausgeübt, die wiederum preistreibend wirken würden. Inflationsseitig würde die Gefahr von sogenannten Zweitrundeneffekten und Lohn-/Preisspiralen steigen. Historisch gab es nach einem Inflationsschock (wie im Jahr 2022) mehrfach zweite Wellen – ein Risiko, das die Märkte nicht ignorieren sollten.

„Alles wieder gut“ kann also nur gelten, wenn wichtige Bedingungen erfüllt werden können: Eine ausreichend zeitnahe Entspannung der Energieversorgung, ein ausbleibender Wirtschaftsabschwung und anhaltendes Zutrauen in Künstliche Intelligenz dürften wichtige Zutaten für weiterhin steigende Kurse darstellen.

Im gegenwärtigen Spannungsfeld zwischen Zuversicht und Sorglosigkeit liegt folgende taktische Allokation für Aktien und Anleihen nahe:

  • Die konjunkturelle Großwetterlage mit widerstandsfähigem Wachstum und bemerkenswerter Gewinnentwicklung spricht immer noch für eine breite, regional wie sektoral diversifizierte Übergewichtung von Aktien, auch wenn sich die Risikoeinschätzung wie dargestellt jederzeit verschlechtern könnte.
  • Die Aktienmärkte werden weiter stark durch den Technologiesektor dominiert. Ohne Künstliche Intelligenz und dazugehörige Technologie-Lieferketten sähe das Wirtschafts- und Gewinnwachstum in den USA aber auch in Asien und bei ausgewählten europäischen Zulieferern deutlich schwächer aus. Die Unterscheidung zwischen KIGewinnern (vor allem Halbleiterwerte und andere Ausrüster) und Verlierern (Wissens- und Software-Dienstleister) bleibt virulent.
  • Regional scheint am US-Aktienmarkt derzeit kein Vorbeikommen zu sein. Schwellenländer-Aktien bleiben aus verschiedenen Gründen attraktiv: Im Index stark repräsentierte asiatische Märkte wie Korea und Taiwan profitieren vom KI-Boom, einige lateinamerikanische Märkte durch Öl- und Rohstoffexporte und Osteuropa durch eine starke Entwicklung in Polen und Verbesserungspotential nach der Wahl in Ungarn. Europa ist stärker als andere Regionen vom Iran-Krieg belastet, es bestehen aber weiterhin positive Optionalitäten in Bezug auf Strukturreformen und Fiskalstimulus.
  • Nach dem Anstieg der Renditen durch Inflationssorgen erscheint das Rendite/Risikoprofil von Anleihen wieder ausgewogener. Sie könnten sowohl von stärker werdenden Wachstumssorgen als auch von rückläufigen Inflationssorgen profitieren. Im Fall weiter steigender Energiepreise könnten die Renditen allerdings kurzfristig noch weiter ansteigen.
  • Bei Unternehmensanleihen sind die Zinsaufschläge zu Staatsanleihen historisch nach der eingangs beschriebenen Einengung wieder gering, sie preisen also nur geringe Abschwungrisiken ein.
  • Gerade falls sich die Energiekrise entspannen sollte, dürfte der US-Dollar auf Sicht der nächsten Quartale weiter unter strukturellen Belastungen wie hoher Budgetdefizite und politischer Unsicherheit leiden. Warum nicht insgesamt für etwas weniger Anspannung zumindest im Portfolio sorgen? Dividenden entwickeln sich meist sehr zuverlässig und sorgen, wie unsere Berechnungen zeigen, für einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Gesamtrendite.

Warum nicht insgesamt für etwas weniger Anspannung zumindest im Portfolio sorgen? Dividenden entwickeln sich meist sehr zuverlässig und sorgen, wie unsere Berechnungen zeigen, für einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Gesamtrendite.

Dass das Gute überwiegt, wünscht Ihnen

Stefan Rondorf

Fonds von Allianz Global Investors kaufen Sie über die INFOS AG zu besonders günstigen Konditionen!

  1. Dauerhaft 100% Rabatt auf den Ausgabeaufschlag
  2. Kostenloses Depot ab 20.000 € Depotwert
  3. Keine Transaktionskosten
  4. Sichere Verwahrung bei einer deutschen Depotbank

Kunde werden      Mehr erfahren


Rechtliche Hinweise

Falls nicht anders erwähnt, stammen die Daten und Informationen von LSEG Datastream.

Investieren birgt Risiken. Der Wert einer Anlage und Erträge daraus können sinken oder steigen. Investoren erhalten den investierten Betrag gegebenenfalls nicht in voller Höhe zurück. Die dargestellten Einschätzungen und Meinungen sind die des Herausgebers und/oder verbundener Unternehmen zum Veröffentlichungszeitpunkt und können sich – ohne Mitteilung darüber – ändern. Die verwendeten Daten stammen aus verschiedenen Quellen und wurden zum Veröffentlichungszeitpunkt als korrekt und verlässlich bewertet. Bestehende oder zukünftige Angebots- oder Vertragsbedingungen genießen Vorrang. Die Verwaltungsgesellschaft kann beschließen, die für den Vertrieb ihrer Organismen für gemeinsame Anlagen getroffenen Vereinbarungen im Einklang mit den geltenden Vorschriften für die Beendigung der Notifizierung zu beenden. Die Vervielfältigung, Veröffentlichung sowie die Weitergabe des Inhalts in jedweder Form ist nicht gestattet; es sei denn, dies wurde durch Allianz Global Investors GmbH explizit gestattet.

Für Investoren in Europa (exklusive Schweiz)
Dies ist eine Marketingmitteilung herausgegeben von Allianz Global Investors GmbH, www.allianzgi.de, eine Kapitalverwaltungsgesellschaft mit beschränkter Haftung, gegründet in Deutschland; Sitz: Bockenheimer Landstr. 42-44, 60323 Frankfurt/M., Handelsregister des Amtsgerichts Frankfurt/M., HRB 9340; zugelassen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (http://www.bafin.de). Die Zusammenfassung der Anlegerrechte ist auf Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch unter regulatory.allianzgi.com/en/investors-rights verfügbar. Allianz Global Investors GmbH hat eine Zweigniederlassung errichtet in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Luxemburg, Schweden, Belgien und in den Niederlanden. Die Kontaktdaten sowie Informationen zur lokalen Regulierung sind hier (www.allianzgi.com/Info) verfügbar.

Für Investoren in der Schweiz
Dies ist eine Marketingmitteilung, herausgegeben von Allianz Global Investors (Schweiz) AG, einer 100%igen Tochtergesellschaft der Allianz Global Investors GmbH.