Die Aktienmärkte zeigten sich im Juli deutlich unruhiger als im Vormonat. Nach der zunächst falkenhaften Rhetorik im Vorfeld der Notenbanksitzungen verzichteten sowohl die Fed als auch die Bank of Japan am Monatsende auf eine weitere Straffung: Die Fed beließ den Leitzins zum fünften Mal in Folge konstant bei 3,50–3,75%, allerdings gegen mittlerweile drei Gegenstimmen aus dem eigenen Ausschuss, die für eine Anhebung votiert hatten. Die BoJ hielt ihren Leitzins bei 1,00%, erstmals mit einer Gegenstimme. Dafür intervenierte sie parallel am Devisenmarkt zur Stützung des Yen. Die Marktreaktion auf die Fed-Entscheidung war deutlich: Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zogen spürbar an, da Fed-Chef Kevin Warsh trotz einer auf 3,6% angehobenen Inflationsprognose und eines erstmals auf eine Zinserhöhung deutenden Dot Plots keine unmittelbaren Konsequenzen zog. An den Märkten verstärkte sich damit der Eindruck, dass Warsh von den eigenen falkenhaften Ankündigungen zunehmend eingeholt wird.
Deutlich sichtbar wurde eine nachlassende Risikobereitschaft im Halbleitersektor. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) markierte am 22. Juni sein bisheriges Rekordhoch und rutschte anschließend in einen technischen Bärenmarkt, mit Verlusten von zeitweise über 28% gegenüber dem Höchststand. Einzelne stark gelaufene Titel aus dem Speicherchip- und KI-Infrastrukturbereich büßten von ihren Höchstständen zwischenzeitlich bis zu 70% ein. Trotz dieser scharfen Korrektur bleibt der Index seit Jahresbeginn aber mit rund 60% deutlich im Plus.
Zum prominentesten Opfer der Korrektur wurde der KI-fokussierte Hedgefonds „Situational Awareness“ von Leopold Aschenbrenner. Das noch Anfang Juli auf rund 45 Mrd. USD angewachsene verwaltete Vermögen brach im Juli um rund 67% ein, nachdem die vierfach gehebelten Long-Positionen in KI-Infrastrukturwerten reihenweise unter Druck gerieten. Margin Calls mehrerer Prime-Broker zwangen den Fonds Ende Juli zur Notveräußerung eines Großteils seines börsennotierten Portfolios an Citadel; die privaten Beteiligungen, allen voran ein rund 5 Mrd. USD schwerer Anteil an Anthropic, blieben unangetastet. Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark gehebelte Wetten auf den KI-Trade in der laufenden Konsolidierung wirken können.
Für die Berichtssaison insgesamt gilt: Die Investitionsbereitschaft der großen Technologiekonzerne bleibt ungebrochen hoch, die Kursreaktionen auf gute Quartalsberichte fielen bei den Halbleiterproduzenten aber verhalten aus. Selbst solide Ergebnisse großer Chip-Unternehmen reichten bei den Anlegern derzeit nicht mehr, um nachhaltige Kursgewinne auszulösen – ein Muster, das sich bereits im Juni bei Micron abzeichnete und sich im Juli über weite Teile des Sektors fortsetzte. Bei den bisherigen „Verlierern“ der KI-Disruption drehte sich das Muster dagegen. Solide Ergebnisse führten hier zu teils starken Kursgewinnen.
Insgesamt erscheint das Umfeld für Aktien weiterhin konstruktiv. Die „Verlierer“ und „Gewinner“ haben zuletzt zwar die Seiten gewechselt, aber die Gewinner überwiegen und ziehen die Indizes weiter nach oben.
Phaidros Funds Balanced
Der Phaidros Funds Balanced verzeichnete im Juli je nach Anteilsklasse eine Wertentwicklung zwischen +2,54% und +2,85%. Der MSCI World Index in Euro gab um 0,12% nach, während europäische Investment-Grade-Anleihen gemessen am Bloomberg EUR Aggregate Index um 1,47% fielen.
Auf der Aktienseite zählte CBIZ zu den stärksten Positionen im Monat; Grundlage war ein Übernahmeangebot, dem das Unternehmen zugestimmt hat und auch den Aktionären empfiehlt. PayPal legte um 31% zu, nachdem Stripe ein Übernahmeangebot vorgelegt hatte. PayPal lehnte die gebotene Bewertung jedoch ab. Equinor gewann 28% im Zuge der erneuten Eskalation im Nahost-Konflikt. Und auch Microsoft legte zu, nachdem sich das Wachstum im Cloudgeschäft nochmal beschleunigt hat. Schwächer entwickelten sich hingegen Prysmian (-18%) und ASML (-17%), die unter Gewinnmitnahmen im KI-Trade litten.
Im Monatsverlauf haben wir das Portfolio um Bankaktien ergänzt und Positionen in Unicredit, ING und Mitsubishi UFJ Financial neu aufgenommen. Die Erwartung steiler Zinskurven und eines guten Makroumfelds wirken stärkend auf Banken. Auf der Anleiheseite haben wir die Duration durch einen Abbau langlaufender Staatsanleihen leicht reduziert. Die ausgebliebenen Zinserhöhungen durch die FED und die BOJ im Juli verfestigen die Erwartung mittelfristig steilerer Zinskurven.
Die Aktienquote lag zum Monatsende bei rund 63%, die Anleihequote bei 33%, Liquidität und Gold machten 3% respektive 1% des Portfolios aus.
Die laufende Berichtssaison stützt die Erwartung eines weiterhin dynamischen Gewinnwachstums. Die Bewertungen sind im Jahresverlauf trotz der Kursrally nicht gestiegen, da das EPS-Wachstum den Kursanstieg auf Indexebene übertroffen hat. Die Aussichten für den Aktienmarkt bleiben entsprechend konstruktiv.