Marktberichte

Greiffbar – Investments zum Anfassen vom 27.02.2026

Der Prozess

Anklage

Die vergangene Woche gleicht einem Gerichtsdrama, das nicht zuletzt vom Obersten Gericht der USA inspiriert ist. Aber wer steht eigentlich diese Woche vor Gericht? Die Wirtschaft steht vor Gericht. Angeklagt: Protektionismus, Zölle, Übertreibungen am Kreditmarkt, Private Equity Exzesse und künstliche Intelligenz mit Größenwahn. Der Staatsanwalt trägt viele Namen. Inflationszahlen aus den USA, die hartnäckiger bleiben als gehofft. Teilweise Bewertungshochs, die wirken, als hätten sie von Vorsicht noch nie gehört. Aber auch die Politik steht vor Gericht. Angeklagt: Das Mullah-Regime im Iran, der selbsternannte Friedensnobelpreisträger in den USA und das lahmende EU-Parlament. Die Kläger: Das iranische Volk, die Verbündeten der USA und die hilfesuchenden Ukrainer. Und dazwischen die Börse auf der Suche nach der Richtung. DAX, Dow und Co. verharren auf der Stelle und warten auf das Urteil der Anleger, die sind aber derzeit noch mit der Beweisaufnahme beschäftigt. Wie zum Beispiel mit dem Kursverfall von First Solar. Im Saal ist es unruhig. Die Geschworenen sind nervös. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete der US-Solarmodulhersteller steigende Umsätze, ein höheres Ergebnis und solide operative Zahlen. Doch im Gerichtssaal der Kapitalmärkte zählt nicht allein das Alibi der Vergangenheit, sondern vor allem der Ausblick. Und genau hier geriet First Solar ins Visier der Jury. Der Ausblick für 2026 wurde deutlich schwächer formuliert als erwartet, die Anleger plädieren auf Totschlag und liquidieren die Aktie. Doch hören wir erst das Plädoyer der Woche:

Plädoyer

Dann tritt er ans Rednerpult. Donald Trump, große Bühne, große Worte, große Versprechen. Die Rede zur Lage der Nation als ultimative Lobhudelei seiner überragenden Prozessführung. Amerika stark. Industrie zurück. Zölle gerecht. Wachstum unausweichlich. Es ist ein Plädoyer mit Pathos. Ein Antrag auf Freispruch für die eigene Wirtschaftspolitik. Der Präsident argumentiert mit Arbeitsplätzen, mit Stärke, mit Souveränität. Und irgendwo zwischen Applaus und Augenrollen versuchte der Gerichtssaal sich an Standing Ovations und demonstrativem Sitzenbleiben. Wie stark jedoch Worte sein können, zeigte der Kronzeuge Nvidia diese Woche. Die jüngsten Quartalszahlen untermauerten erneut die dominante Rolle im KI-Ökosystem. Umsatz und Gewinn lagen deutlich über den Erwartungen, getragen vom anhaltend massiven Bedarf an Rechenleistung für generative KI, Cloud-Infrastruktur und Hyperscaler-Investitionen. In der Beweisaufnahme liest sich das wie ein entlastendes Dokument: Nachfrage intakt, Auftragsbücher voll, technologische Führungsposition unangefochten. Aber auch Kronzeugen stehen unter Beobachtung. Jede Guidance, jede Margenprognose, jedes Wort zum KI-Capex der Großkunden wird seziert wie ein Beweismittel. Die Aktie bleibt nahe ihrer Höchststände. Das allein ist bereits ein Urteil. Der Markt spricht Nvidia weiterhin frei, allerdings unter Bewährung. Kommen wir zum Urteil:

Urteil

Und dann sprach das höchste Gericht. Der Supreme Court urteilt zu den Zöllen. Plötzlich ist es nicht mehr nur Rhetorik, sondern Recht. Die Märkte reagieren unmittelbar. Der Dollar zuckt. Anleiherenditen bewegen sich. Kurse passen sich an, aber nur in Nuancen. Das Urteil ist kein Drama. Es ist nüchtern. Aber es verändert die Beweisaufnahme. Zölle sind nicht nur politische Kampfrhetorik, sie sind juristisch überprüfbar. Das gefällt nicht jedem im Saal. Und während die Richter ihre Entscheidung begründen, fällt draußen das eigentliche Verdikt. Die Börse steigt hier, fällt dort, ignoriert manches und übertreibt anderes. Teilweise neue Hochs. Teilweise tiefe Krater bei einzelnen KI-Verlierern und Private-Equity-Buden. Kein eindeutiger Freispruch, der Anleger hoffnungsfroh stimmt, aber auch kein Schuldspruch, der ein Börsenbeben einleitet. Am Ende steht eher ein salomonisches Urteil: Trump bekommt Applaus, aber keinen Blankoscheck, Nvidia wird gefeiert, aber nicht grenzenlos und First Solar wird abgestraft, aber nicht abgeschrieben. Nur die Mullahs warten noch auf ein Urteil. Der Richter hebt den Hammer. Kurze Stille. Schlag. Die Sitzung ist geschlossen.

Ihr Volker Schilling

Fonds von Greiff capital management AG kaufen Sie über die INFOS AG zu besonders günstigen Konditionen!

  1. Dauerhaft 100% Rabatt auf den Ausgabeaufschlag
  2. Kostenloses Depot ab 20.000 € Depotwert
  3. Keine Transaktionskosten
  4. Sichere Verwahrung bei einer deutschen Depotbank

Kunde werden      Mehr erfahren


Rechtliche Hinweise

Investieren birgt Risiken. Der Wert einer Anlage und die Erträge daraus können sowohl sinken als auch ansteigen und Investoren erhalten den investierten Betrag möglicherweise nicht in voller Höhe zurück. Die hierin enthaltenen Einschätzungen und Meinungen sind die des Herausgebers und/oder verbundener Unternehmen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich - ohne Mitteilung hierüber - ändern. Die verwendeten Daten stammen aus unterschiedlichen Quellen und wurden als korrekt und verlässlich betrachtet, jedoch nicht unabhängig überprüft; ihre Vollständigkeit und Richtigkeit sind nicht garantiert und es wird keine Haftung für direkte oder indirekte Schäden aus deren Verwendung übernommen, soweit nicht durch grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Fehlverhalten verursacht. Bestehende oder zukünftige Angebots- oder Vertragsbedingungen genießen Vorrang. Hierbei handelt es sich um eine Marketingmitteilung; herausgegeben von Greiff capital management AG, Munzinger Straße 5a, 79111 Freiburg im Breisgau. Die Vervielfältigung, Veröffentlichung sowie die Weitergabe des Inhalts in jededer Form ist nicht gestattet.