Marktberichte

Invest in Visions Blog vom 25.02.2026

Mikrofinanzfonds: Welche Zinsen Darlehensnehmer zahlen und was Anleger dazu wissen sollten

Mikrofinanzfonds werben mit der „doppelten Rendite“: Gemeint ist damit eine stabile und angemessene finanzielle Performance bei gleichzeitiger Erzielung einer sozialen Rendite – also messbarer positiver Wirkung für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Der von Invest in Visions verwaltete IIV Mikrofinanzfonds erwirbt hierzu unverbriefte Darlehensforderungen von Mikrofinanzinstituten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Finanzinstitute verleihen das aufgenommene Kapital anschließend als Mikrokredite zur Existenzgründung oder -sicherung an Endkreditnehmer. Nach durchschnittlich zwölf Monaten haben die Endkreditnehmer ihre Kredite vollständig getilgt. Die Mikrofinanzinstitute zahlen die Darlehen schließlich inklusive Zinsen an den IIV Mikrofinanzfonds zurück und die Anleger des Fonds erzielen über die Wertentwicklung der Fondsanteile eine stetige Rendite.

Die Kunden der Mikrofinanzinstitute sind wirtschaftlich aktive Menschen, die ihre Existenz durch eine unternehmerische Tätigkeit verbessern wollen. Bei den Endkreditnehmern handelt es sich in der Regel um Kleinstunternehmer, die meist im informellen Sektor tätig sind, etwa im Kleinhandel oder in der Produktion einfacher Güter. Da sie häufig in ländlichen Gebieten leben, oft kein regelmäßiges Einkommen erzielen und selten bankübliche Sicherheiten bieten können, werden sie von kommerziellen Banken nicht bedient.

Wer sind die typischen Endkreditnehmer?

Endkreditnehmer sind in der Regel selbstständig tätig und beschäftigen selten mehr als zehn Mitarbeitende. Oftmals handelt es sich um Einzelunternehmen. Da häufig grundlegende Vorbildung fehlt, verbinden viele Mikrofinanzinstitute die Kreditvergabe mit betriebswirtschaftlichen Schulungsangeboten. Diese Beratung vermittelt praxisnahe Regeln zur Unternehmensführung, um die Erfolgschancen der Unternehmung und die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung zu erhöhen.

Insbesondere Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind aufgrund strukturell geringerer Bildungschancen und niedrigerer materieller Absicherung oft vom Zugang zu traditionellen Finanzdienstleistungen ausgeschlossen. Mikrofinanz schafft hier gezielt Abhilfe – aus diesem Grund ist die Anzahl der Mikrofinanz-Kreditnehmerinnen höher als die der männlichen Kreditnehmer. Die Investitionen des IIV Mikrofinanzfonds haben neben anderen Zielen auch das Ziel, Frauen zu fördern und ganz generell nachhaltige Wirkung zu entfalten – das ist die soziale Rendite des IIV Mikrofinanzfonds.

Wie hoch sind die effektiven Zinssätze für Endkreditnehmer?

Bei der Vorstellung des Mikrofinanzkonzepts werden wir häufig nach den realen Zinssätzen der Kunden der Mikrofinanzinstitute gefragt. Darauf kann es aber keine allgemeingültige Antwort geben. Aufgrund der globalen Ausbreitung operiert Mikrofinanz auf regional unterschiedlichen Zins-, Kredit- und Inflationsniveaus. Geopolitische Entwicklungen und divergierende makroökonomische Rahmenbedingungen verhindern ebenfalls eine pauschale Beantwortung nach den in Rechnung gestellten Zinsen.

Aktuelle Analysen zeigen, dass Mikrokredite in vielen Ländern Zinsen von 15 bis 30 Prozent p. a. aufweisen. Um diese – für uns westliche Betrachter – hohen Zinssätze einordnen zu können, richten wir zunächst einen Blick auf die Kostenstruktur der kreditvergebenden Institute. Mikrofinanzfonds sind ein elementarer Bestandteil der Refinanzierung dieser Finanzinstitutionen. Sie stellen Fremdkapital mit Laufzeiten von durchschnittlich drei Jahren zu planbaren und vergleichsweise attraktiven Konditionen bereit. Dies schafft Stabilität, Planungssicherheit und ermöglicht es den Instituten, die Nachfrage nach Kleinkrediten im Markt zu bedienen.

Heute ist die überwiegende Mehrheit der Institute im Portfolio des IIV Mikrofinanzfonds reguliert und verfügt über langjährige Markterfahrung. Diese Faktoren tragen maßgeblich zu moderaten Refinanzierungszinsen der Mikrofinanzinstitute bei – selbst dann, wenn sie in Krisenregionen tätig sind oder wenn ihr Heimatland am Kapitalmarkt über die Haushaltsfinanzierung mit Staatsanleihen höhere Zinsen zahlen muss.

Gleichwohl haben die seit der Zinswende weltweit gestiegenen Refinanzierungskosten die Mikrofinanzinstitute belastet. Der durchschnittliche Zinssatz für neu abgeschlossene Darlehen auf US-Dollar-Basis im IIV Mikrofinanzfonds liegt zurzeit bei rund 7 bis 7,5 Prozent und auf Euro-Basis bei etwa 5 bis 5,5 Prozent. Diese Refinanzierungskosten werden von den Mikrofinanzinstituten an ihre Endkreditnehmer-Kunden weitergegeben, nachdem das Fremdkapital zunächst von dem Mikrofinanzinstitut in lokale Währung konvertiert wurde.

Portfoliorendite und Return on Assets – was nach Kosten verbleibt

Mikrofinanz ist ein kleinteiliges und kostenintensives Geschäftsmodell. Endkreditnehmer können ihre wirtschaftliche Aktivität häufig nicht formal nachweisen. Dennoch müssen Mikrofinanzinstitute die Kreditwürdigkeit prüfen und laufend validieren. Dazu führen Kundenberater Vor-Ort-Besuche durch, um die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und die Rückzahlungsfähigkeit einzuschätzen. Je entlegener die Region und je häufiger die erforderlichen Besuche, desto höher die operativen Kosten.

Neben Personal- und allgemeinen Betriebskosten stellt der Finanzaufwand den größten Kostenblock dar – dazu zählen Zinszahlungen auf Kundeneinlagen, Fremdfinanzierungskosten für die oben erwähnten Darlehen der Mikrofinanzfonds, Rückstellungen zur Risikovorsorge sowie Kosten für Währungsabsicherung und Konvertierung. Viele Institute tauschen die vom IIV Mikrofinanzfonds bereitgestellten Mittel über die lokale Notenbank in die jeweilige Landeswährung, was Konvertierungskosten verursacht.

Die Zinseinnahmen der Mikrodarlehen und die kreditbezogenen Gebühren müssen die genannten Kosten übersteigen, um die wirtschaftliche Stabilität der Institute sicherzustellen. Diese Erträge werden als Portfoliorendite des Bruttodarlehensportfolios gemessen und häufig als Näherungswert für die durchschnittlichen Kundenzinsen herangezogen. Im dritten Quartal 2025 lag die Portfoliorendite im Median bei 23,4 Prozent.

Unter Berücksichtigung der kurzen Laufzeiten, geringen Kreditvolumina, intensiven Kundenbetreuung sowie des allgemein erhöhten Zinsumfelds können daher Zinssätze zwischen 15 und 30 Prozent p. a. je nach Land und Region ökonomisch angemessen sein.

Nach Abzug aller Kosten sollte für die Institute ein positiver Return on Assets (ROA) verbleiben. Die annualisierte Kapitalrendite der Institute im Portfolio des IIV Mikrofinanzfonds betrug im dritten Quartal 2025 durchschnittlich 1,9 Prozent.1

Sind Zinssätze von 30 Prozent ein moralisches Problem?

Viele Kleinstunternehmer in Entwicklungs- und Schwellenländern erzielen bereits mit geringem Kapitaleinsatz prozentual hohe Erträge. Dadurch sind sie oft in der Lage, ihre Kredite innerhalb kurzer Zeit vollständig zu tilgen. Rückzahlungsquoten von über 95 Prozent bestätigen die Tragfähigkeit des Modells und die Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmenden.

An einem konkreten Beispiel wollen wir illustrieren, warum annualisierte Zinssätze ein falsches Bild zeichnen: Das Mikrofinanzinstitut BRAC in Tansania vergibt sog. „Microfinance and Agri Finance loan products“ mit Zinssätzen von 3,5 bis 5 Prozent pro Monat ohne Stellung von Sicherheiten. Das entspricht einem nominalen Zinssatz von 42 bis 60 Prozent. Die durchschnittliche Darlehenshöhe in dem Programm liegt bei USD 379. Die Darlehen haben eine reguläre Laufzeit von 6 bis 12 Monaten, allerdings sind die Darlehen „amortisierend“ ausgestattet, das bedeutet, sie werden über die Laufzeit komplett getilgt. Die Kostenbelastung für das Mikrofinanzinstitut ist immens. Zu den durchschnittlichen Personalkosten von USD 70 pro Darlehen kommen Refinanzierungskosten von ca. 12 Prozent in lokaler Währung und andere operative Kosten, Steuern und Ausfälle. Für reguläre Banken wäre dieses Geschäft uninteressant, darum gibt es die Mikrofinanzinstitute wie BRAC, die trotz geringer Margen die finanzielle Inklusion vorantreiben.

Vor der Vergabe eines Darlehens an ein Mikrofinanzinstitut stellen wir sicher, dass die Zinssätze für Endkreditnehmer unter Berücksichtigung makroökonomischer und lokaler Faktoren angemessen sind. Die Erhebung marktgerechter Zinsen ist ein integraler Bestandteil unserer Anlagestrategie – ebenso wie eine umfassende, länderspezifische Zinsbenchmark- und Marktanalyse.

Als Unterzeichner der Principles for Responsible Investment (PRI) und Unterstützer des Client Protection Pathway verankern wir vertraglich die Einhaltung fairer, transparenter und verantwortungsvoller Kreditvergabestandards. Dies umfasst sowohl den Schutz der Endkreditnehmer als auch ethische Geschäftspraktiken gegenüber Mitarbeitenden.

Regulierte Mikrofinanzinstitute stellen für viele Menschen die fairste und nachhaltigste Finanzierungsquelle dar. Die häufig einzige lokale Alternative sind informelle Kreditgeber bzw. Kredithaie, die mitunter Zinsen von über 20 Prozent pro Woche (!) verlangen und bei der Durchsetzung ihrer Forderungen wohl selten verantwortungsvolle Standards einhalten.

Fazit

Mikrofinanz kann – bei verantwortungsvoller und regulatorisch konformer Umsetzung – Menschen dabei unterstützen, Armut zu überwinden und nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven aufzubauen. Die dafür erhobenen nominalen Zinssätze von zumeist 15 bis 30 Prozent auf Ebene der Endkreditnehmer wirken aus unserer westlichen Sichtweise zunächst sehr hoch. Die Analyse zeigt jedoch, dass aufgrund des kostenintensiven, kleinteiligen Geschäftsmodells, des regulatorischen Aufwands und der makroökonomischen Rahmenbedingungen in den Zielregionen dieses Zinsniveau nicht nur ökonomisch und moralisch vertretbar ist, sondern auch mindestens erforderlich, um den Mikrofinanzinstituten vor Ort ein wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen.

Die gleichmäßig hohen Rückzahlungsraten und Zufriedenheitsbefragungen staatlicher wie zivilgesellschaftlicher Organisationen bestätigen diese Aussage. Die Endkreditnehmer können erfahrungsgemäß sehr häufig ihre Lebenssituation mit Mikrofinanzierung verbessern und die gewährten Darlehen regelkonform bedienen.

Es bleibt darüber hinaus unser erklärtes Ziel, die Gesamtkosten für Endkreditnehmer weiter zu senken, um noch mehr Menschen Zugang zu verantwortungsvollen Finanzdienstleistungen zu ermöglichen.

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Fußnoten

1 Quelle: Invest in Visions