Erstmals liefert eine individuell für den Patienten hergestellte mRNA-Krebstherapie positive Ergebnisse in einer entscheidenden Phase-3-Studie. Der Erfolg von Moderna und Merck setzt ein starkes Signal für die Biotechnologie und den gesamten Healthcare-Sektor.
Moderna und der US-Pharmakonzern Merck & Co. haben positive erste Ergebnisse einer Phase-3-Studie bei schwarzem Hautkrebs (Melanom) bekannt gegeben. Untersucht wurde eine Kombination aus einer personalisierten mRNA-Krebstherapie von Moderna und der bereits etablierten Immuntherapie Keytruda von Merck.
Bei Patienten mit einem operierten Hochrisiko-Melanom war die Kombination erfolgreicher als eine Behandlung mit Keytruda allein. Das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt oder sich in Form von Metastasen in anderen Teilen des Körpers ausbreitet, wurde statistisch signifikant reduziert. Neue oder unerwartete Nebenwirkungen wurden nach Angaben der Unternehmen nicht beobachtet.
Ein Medikament, das für nur einen Patienten hergestellt wird
Das Besondere an der Therapie ist ihr vollständig personalisierter Ansatz. Vereinfacht funktioniert dieser so:
- Tumorgewebe des Patienten wird genetisch analysiert.
- Ein Algorithmus identifiziert bis zu 34 charakteristische Veränderungen des Tumors.
- Auf dieser Grundlage wird eine individuelle mRNA-Therapie hergestellt.
- Sie liefert dem Immunsystem gewissermaßen einen „Steckbrief“ des Tumors.
- Keytruda unterstützt anschließend das Immunsystem dabei, die entsprechenden Krebszellen anzugreifen.
Damit erhält jeder Patient eine Therapie, die speziell auf die genetischen Eigenschaften seines eigenen Tumors zugeschnitten ist.
Warum der Erfolg so bedeutend ist
Seit vielen Jahren arbeiten Biotechnologieunternehmen daran, die durch die COVID-19-Impfstoffe bekannt gewordene mRNA-Technologie auch in der Krebsmedizin einzusetzen. Nun liegt erstmals ein positiver Phase-3-Nachweis für eine solche personalisierte mRNA-Krebstherapie vor (First-in-class).
Damit geht es um mehr als den Erfolg eines einzelnen Medikaments: Die Ergebnisse sind ein wichtiger Machbarkeitsnachweis für die gesamte Technologie und zeigen, dass mRNA auch jenseits von Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten therapeutisches Potenzial besitzen kann.
Moderna stellt bereits eine mögliche Zulassung im Jahr 2027 in Aussicht.
Mario Linimeier, geschäftsführender Gesellschafter der Medical Strategy, ordnet die Ergebnisse ein:
„Der Phase-3-Erfolg ist weit mehr als eine positive Studienmeldung. Er zeigt erstmals in einer entscheidenden Studie, dass eine individuell hergestellte mRNA-Krebstherapie einen zusätzlichen Nutzen liefern kann. Das ist ein wichtiger Machbarkeitsnachweis für personalisierte Krebstherapien und ein starkes Signal für die Innovationskraft des Healthcare-Sektors.“
Deutliche Reaktion am Kapitalmarkt
Auch an den Börsen wurde die Meldung als wichtiger Meilenstein aufgenommen. Der Gesundheitssektor schlug gestern den breiten Markt um 330 Basispunkte, eine der besten Tage seit der Finanzkrise. Der Biotech-Sektor erlebte Kursgewinne.
Die Moderna-Aktie stieg innerhalb eines Handelstages um rund 177 Prozent auf etwa 174 US-Dollar. Der Börsenwert des Unternehmens erhöhte sich damit von rund 25 auf 69 Milliarden US-Dollar. Das Handelsvolumen lag bei rund 195 Millionen Aktien.
Die detaillierten Studiendaten sollen auf einem kommenden Fachkongress vorgestellt werden.
Der Phase-3-Erfolg ist ein außergewöhnlicher Meilenstein. Nach dem Durchbruch von mRNA während der Pandemie könnte nun das nächste große Kapitel beginnen: personalisierte Krebstherapien.