Marktberichte

Schroders "In Focus" vom 26.01.2024

CIO Lens Q1 2024: Angesichts neuer Gelegenheiten sind flexible Ansätze gefragt

Johanna Kyrklund und andere führende Investoren bei Schroders erörtern ihre Markteinschätzungen für dieses Jahr, in dem wichtige Wahlen und andere Ereignisse das Marktumfeld prägen könnten.

Lesen Sie den vollständigen CIO Lens für dieses Quartal hier:

  • Johanna Kyrklund, Co-Leiterin Investment und Group CIO, reflektiert über die unlängst starke Marktentwicklung und die zahlreichen Faktoren, die im kommenden Jahr zu Volatilität an den Märkten führen könnten.
  • Nils Rode, Chief Investment Officer von Schroders Capital, gibt Einblicke in Chancen auf den privaten Märkten, insbesondere dort, wo diese mit dem 3D-Reset (Dekarbonisierung, Deglobsalisierung, Demografie) und der KI-Revolution in Einklang stehen.
  • Andrew Howard, Globaler Leiter Sustainable Investment, untersucht, wie die Diskussion über Nachhaltigkeit immer nuancierter wird.
  • Unser Multi-Asset-Team führt Sie durch seine Ansichten zur Vermögensaufteilung über alle wichtigen Anlageklassen hinweg.
  • Unser Team von Wirtschaftsexperten erörtert seine aktuellen wirtschaftlichen Risikoszenarien , einschließlich der Frage, warum das Gleichgewicht der Risiken nach wie in Richtung Stagflation verzerrt ist.

Johanna Kyrklund:

Nach der starken Rallye an den Märkten zum Jahresende scheinen die Bewertungen in sämtlichen Anlageklassen etwas überzogen zu sein. Unser Basisszenario geht nach wie vor von einer sanften Landung in den USA aus, aber dies spiegelt sich mittlerweile sehr stark in den Aktienkursen, den Kreditspreads und dem Ausmaß der am Anleihemarkt eingepreisten Zinssenkungen wider.

Die Karten müssen neu gemischt werden, um neue Möglichkeiten zu schaffen (wie Sie sehen, bin ich gedanklich immer noch voll bei all den Brettspielen, die ich über Weihnachten gespielt habe!).

Die Herausforderung besteht natürlich darin, dass sich die Märkte ziemlich schnell bewegen können: In diesem Jahr finden in 40 Ländern weltweit Wahlen statt, das geopolitische Umfeld ist angespannt und die Zentralbanken sind stark mit den „Landebedingungen für die Wirtschaft“ beschäftigt, was immer zu Volatilität führen kann.

Angesichts rückläufiger Barmittelrenditen würden wir dazu raten, investiert zu sein. Allerdings bedarf es flexibler Ansätze, mit denen man in diesen Märkten bestehen und von sich ergebenden Kaufgelegenheiten profitieren kann. Schließlich kann schon die nächste Karte, die ausgeteilt wird, das Blatt für Sie erheblich wenden.

Im letzten Quartal waren die Anleger über weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed besorgt. Wir waren jedoch der festen Ansicht, dass die Zinsen ein Plateau erreicht hatten. Nun, drei Monate sind eine lange Zeit an den Anleihemärkten, und mittlerweile haben wir es mit einer Situation zu tun, in der die Anleger es kaum erwarten können, einen Wendepunkt der Fed vorwegzunehmen.

Angesichts der aktuell hohen Beschäftigungszahlen prognostizieren wir jedoch keine beträchtlichen Zinssenkungen. Obschon sich die Inflation erfreulich entwickelt und das Lohnwachstum den Höhepunkt erreicht hat, erscheint die Annahme voreilig, dass die Fed die Zinsen derart aggressiv senken wird. Wir haben daher unsere Long-Positionen in Sachen Duration zugunsten von Beständen aufgelöst, bei denen von einer Versteilerung der Renditekurve ausgegangen wird, um so von niedrigeren Zinsen zu profitieren.

Sollte sich die Fed dazu entschließen, eher die sinkende Inflation als die angespannte Beschäftigungslage zu betonen, wäre dies unserer Ansicht nach für Aktien günstiger als für Anleihen, da das Risiko einer bevorstehenden Rezession in den USA eher gering bleibt .

Im weiteren Sinne und im Kontext des 3D-Reset besteht die nächste Phase eigentlich darin, darüber nachzudenken, welche politischen Initiativen mit diesem Reset verbunden sein werden. Dies hat zum Teil mit den unterschiedlichen Bedingungen zu tun, mit denen die einzelnen Volkswirtschaften konfrontiert sind, und mit den Karten, die an die verschiedenen politischen Entscheidungsträger ausgeteilt wurden. Wie bereits im CIO Lens erwähnt, ergeben sich aus einer derartigen wirtschaftlichen Divergenz Anlagegelegenheiten:

  • Viele Schwellenländer haben eine orthodoxere Politik verfolgt, weshalb ihre Anleihemärkte nun gut aufgestellt sind und Spielraum für weitere Lockerungen besteht. Folglich bewerten wir Lokalwährungsanleihen positiv.
  • China befindet sich inmitten einer Deflation, da es mit den Auswirkungen seiner Immobilienkrise zu kämpfen hat. Auch wenn wir im Exportzyklus ein gewisses Aufwärtspotenzial erkennen, kann das Land angesichts der Größe seiner Wirtschaft und der protektionistischen Gegenreaktion im Westen als Lösung keinen Merkantilismus betreiben.
  • Japan verfolgt aufgrund seiner deflationären Geschichte unterdessen weiterhin einen expansiven Ansatz, und die hohe Staatsverschuldung könnte einer Straffung hinderlich sein.  
  • Europa hat angesichts einer alternden Bevölkerung und höherer Energiekosten als andernorts ein Wachstumsproblem, verfügt aber auch über ein relativ stabiles politisches System, und seine konservative Fiskalpolitik kommt den Anleihemärkten der Region zugute.
  • Die USA konnten aufgrund der Stellung des US-Dollar als Weltreservewährung indes eine stimulierende Politik betreiben. Wie Reagan einst sagte: „Das Defizit macht mir keine Sorgen. Es ist groß genug, um für sich selbst zu sorgen.“ Ein Wahlsieg von Trump könnte jedoch die Geduld der Anleger überstrapazieren, wenn dies zu mehr verschwendeten Steuergeldern führen würde.

Die Ökonomie ist eher eine Kunst als eine Wissenschaft, weil auch das menschliche Verhalten eine Rolle spielt. Wir leben weiterhin in einer Welt, die mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen hat und vor unbarmherzigen technologischen Verwerfungen steht. Die 3Ds (Demografie, Deglobalisierung und Dekarbonisierung) haben sich auch auf das Verhältnis zwischen Wachstum und Inflation ausgewirkt.

Zusammengenommen zeigt all dies, dass der über viele Jahre geschaffene wirtschaftliche Konsens in Frage gestellt wird. Wir müssen uns der Tendenz erwehren, uns auf die Anlageprämissen zu verlassen, die uns in den letzten zehn Jahren gute Dienste geleistet haben. Stattdessen müssen wir uns auf die Divergenzen konzentrieren, die sich mittlerweile abzeichnen, und auf die neuen, sich hieraus ergebenden Chancen.


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